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Wider den Schrecken: Heiterer Verstand!
Haß und hässlich
„Die deutlichen Übernahmen von Filmplakaten entstammen mutmaßlich Trumps starker Prägung durch Hollywood, Kino und Fernsehen. Bei einem Präsidenten, der das völkerrechtswidrige Kidnapping des venezolanischen Präsidenten mit dem Satz ›Ich habe es verfolgt, als wäre es eine Fernsehshow‹ kommentiert und der selbst jahrelang in der TV-Serie ›The Apprentice‹ [Der Lehrling] Angst und Schrecken mit brutalen Urteilen zu Angestellten und dem telegenen sadistisch dramatisierten ›You are fired‹ verbreitete, muss das nicht wundern.
Der kalkulierte Schrecken im Weißen Haus wird wohl mit Füllung der mehr als 8000 Quadratmetern Fläche und vielen goldgrünen Wänden im künftigen Ballsaal des Ostflügels noch größer.“
Stefan Trinks, „Ästhetik des Schreckens“, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), 5.4.2026, S. 3.
Aufbegehren
„Womöglich handelte es sich um die größten Kundgebungen der zurückliegenden Jahrzehnte. Ein Eindruck, der entsteht, wenn landesweit Straßen und Plätze dem Protest gehören. Die Stimmung am vergangenen Wochenende lag zwischen vielfachem Unbehagen und lautstarker Empörung, es zeigte sich eine Opposition, die ganz aus normalen Bürgerinnen und Bürgern besteht. (…) Das Thema der Aktionen war ›No Kings‹ – keine Könige, kein Krieg, keine Milliardäre. Der Präsident führte sich zunehmend auf wie ein Tyrann und Diktator, mit willkürlichen Entscheidungen über Krieg und Frieden sowie vermummten Männern der Einwanderungsbehörde ICE gegen ›Illegale‹, so der Tenor. Die Nationalgarde wurde mancherorts zum Teil des Stadtbildes. Man erlebt, dass Gesetze und politische Gepflogenheiten missachtet werden, die digitale Überwachung eskaliert, Lagerhallen werden zu Haftanstalten für ›Illegale‹ umgebaut.“
Konrad Ege, „Donald Trump gibt sich ungerührt. Das System schützt ihn. Seinen Ballsaal am Weißen Haus würde er gern mit iranischem Öl bezahlen“, „der Freitag“, Nr. 14/2.4.2026, S. 2.
Deutliches Kontra
„Die Verachtung des ›seelenlosen Rationalismus‹ wirkt nur darum negativ, weil sie noch Volldampf voraus gegen den Rationalismus bedeutet, während längst der Augenblick gekommen ist, aus allen Kräften Gegendampf zu geben. (…)
Wer sich heute noch in ›Seele‹ sielt ist rückständig, geistig und moralisch. Der Zeitpunkt, wo man wahrhaft recht hatte, wenn man gegen Vernunft und den Geist recht hatte, ist vorüber.“
Thomas Mann, Tagebuch, 16.3.1935 (!), Küsnacht, Schweiz.
Mit internationaler Macht: Einmal davon abgesehen, daß „der Markt“ kein Subjekt ist, steckt in der profitgetriebenen Preisentwicklung für Öl und Gas, damit für Benzin, Diesel, Heizöl, Pharmaprodukte, Medikamente und Kunststoffe, eine gefährliche Irrationalität.
Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran und die Gegenreaktion des angegriffenen Landes werden zum Anlaß genommen, schmerzhaft an der Preisschraube zu drehen. Das ist den Ölkonzernen möglich, weil sie Herr über die gesamte Förderungs-, Herstellungs- und Vermarktungskette sind.
Wohin nun? Was tun? Wer ist gefragt?
Dagegen helfen akut und auf weitere Dauer nur die Beendigung des Krieges, die Preiskontrolle der Monopole und die sozial-ökologische Transformation in Produktion, Mobilität und Wärme-Erzeugung. Insgesamt aber in der Beseitigung des Regimes des Schreckens.
Der Krieg ist nicht Vater, sondern Zerstörer aller Dinge.
Der Trumpismus zeigt im Extrem, daß nichts Positives aus Gewalt, Wüterei und martialischem Heroismus entsteht.
Deutlich wird hingegen, wie sehr sich ein Kontra auf Straßen und Plätzen, in den Universitäten, in Teilen der Publizistik, in Gewerkschaften, Parteien, Initiativen, in Kunst und Kultur sowie im Alltagsverstand entwickelt.
Darin liegen Sinn und Perspektive der Mehrheit auf der Welt. Diese erfreuliche Tendenz kann wachsen. Mit dem bewußten Rückgriff auf entsprechende Erfahrungen und Errungenschaften, läßt sich ein wirksames Gegengewicht aufbauen. Die gesellschaftliche Waage neigt sich dann nach und nach zur Gegenseite.
Das Völkerrecht und die unteilbaren Menschenrechte bilden dabei eine sichere Leitlinie für die Bildung eines kritischen Bewußtseins, einer konsequenten Handlungsweise sowie die erfreuliche Persönlichkeitsentwicklung. Heiter ist in jedem Fall besser als ängstlich.
Die Hochschulen sollten in diesem Zusammenhang keine Ausnahme sein oder am Rande stehen.
Der Geist, der stets die Menschenwürde – ideal und praktisch – bejaht, hat initiativen Charakter und trägt maßgeblich zur Kultivierung der Gesellschaft bei. Jeder Versuch macht klüger. Die Schrecken lösen sich auf.
- D O K U M E N T I E R T -
Hamburg, den 6. April 2026, zur Sitzung des Akademischen Senats am 9. April 2026
(Zum Geleit: regelmäßige Thesen zu aktuellen Themen von linken Studierenden an die AS-Mitglieder)
Golnar Sepehrnia, Olaf Walther
Zum Geleit CLXXXIX
Das Wesentliche
Aktuelle Erinnerung
„SPIEGEL: Was müsste jetzt geschehen, damit das Völkerrecht gestärkt wird?
KALECK: Der Kern des Völkerrechtes – allem voran das Gewaltverbot gemäß der Uno-Charta – muss verteidigt werden. Deutschland und Europa sollten mit Ländern aus Afrika, Südamerika und Asien koalieren. Auch müssen Themen wie wachsende Ungleichheiten, der Klimawandel und die Vorbereitung auf künftige Pandemien völkerrechtlich behandelt werden. Es braucht eine faire Weltwirtschaftsordnung und eine internationale Ordnung, in der der globale Süden angemessen vertreten ist. Das Völkerrecht aufzugeben, ist keine Option – vor allem nicht für eine Mittelmacht wie Deutschland.“
Wolfgang Kaleck (Gründer, 2007, der Organisation European Center of Constitutional and Human Rights) im Interview mit dem „SPIEGEL“, Nr. 15/2.4.2026, S. 57.
Alle Macht…
Geht sie vom Volke aus?
Hat sie Herz und Verstand?
Macht den Übeln Garaus?
Auch so in jedem Land?
Ist die Macht gebildet?
Wirkt sie tiefgreifend gar?
Ist sie gut beschildet?
Erfreut sie jede Schar?
Fragen als Begleitung
des Denkens, Handelns so,
sind stete Bereitung
des Lebens – macht uns froh.