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Mitten im Leben: Das Leben!
Verdreht
„Ein Publikumsmagnet ist der zweite Veteranentag in Hamburg nicht: Vielleicht ein paar Hundert Menschen sind zum Fest auf den Rathausmarkt gekommen. Für Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) ist es wichtig, dass der Tag genau hier gefeiert wird. Sie eröffnete das Fest mit den Worten: ›Mitten im Leben, mitten in der Stadt, mitten dahin, wo auch die Bundeswehr gehört: Nämlich in das Zentrum unserer Stadt.‹“
NDR-Bericht: „Veteranentag auf dem Rathausmarkt“, Bundeswehr feiert auf dem Rathausmarkt, 15. Juni 2026.
Verständigung
„Ohne entschiedene Gegenmaßnahmen ist der gegenwärtige Zerfall der multilateralen Ordnung und ihrer Regelwerke nicht mehr aufzuhalten. (…) Diese Entwicklung ist abwendbar, es muss aber jetzt und entschieden gehandelt werden. Das beginnt damit, dass eklatante Regelbrüche als solche benannt und skandalisiert werden, egal ob sie von Verbündeten oder von Gegnern begangen werden. Nur dann kann die Geltung von Regeln behauptet werden. Wenn man hingegen selektiv Völkerrechtsbrüche toleriert, wie dies die Bundesregierung im Falle der US-Intervention gegen das venezolanische Maduro-Regime und bei der Intervention der USA und Israels gegen den Iran getan hat, verspielt man das diplomatische Kapital der Glaubwürdigkeit und befördert – ob mit Absicht oder nicht – den Verfall der internationalen Ordnung.“
„Die Neuen Warlords. Gewaltdynamiken einhegen.“ Friedensgutachten 2026 der vier deutschen Friedensforschungsinstitute, Juni 2026.
Verantwortlich
„Die Mittelkürzungen stellen einen massiven Disziplinierungsversuch gegenüber allen Hochschulen dar. Aber wir haben Besseres vor: Den Klimawandel zu stoppen, eine sinnvolle Energie- und Verkehrswende, Trinkwasser und gutes Essen für einen Jeden überall, Gesundheit, Bildung als mündige Menschen, eine aufgeklärte Kultur, eine global rationale Industriepolitik. (…) Freiheit bekommt man nicht, Freiheit nimmt man sich. Als Hochschulmitglieder einzugreifen gegen Kriegstreiberei und Ausbeutung; aufzuzeigen, dass die Probleme von Hunger bis Entfremdung lösbar sind; bloßzustellen, wer an ihrem Fortbestand verdient und voranzutreiben, dass die Welt ein guter Ort wird, das ist die Freiheit der Wissenschaft. Die Wissenschaft muss Partei ergreifen.“
Jonathan Beullens vom bundesweiten AK Zivilklausel, Rede auf der Demo „Wissen schafft Zukunft“ am 11. Juni 2026 auf dem Gänsemarkt.
Guter Unmut ist: Nicht zum Militär zu gehen – weder als Soldatin noch als Hurrapatriot auf dem Bundeswehr- Kinderschminkfest.
Der Unmut findet Verbreitung: Die Bundesregierung hat die Zahl derjenigen, die einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt haben, zur „Verschlusssache“ erklärt. Vom Nein zum Ja: Es soll besser werden, rund um den Erdball und für jeden.
Die Mitglieder der Hamburger Hochschulen haben am 11. Juni in einer Demonstration mit (behördlich festgestellten) 7.000 Teilnehmenden für eine bedarfsgerechte Ausfinanzierung demonstriert. Vielfach artikuliertes Bewusstsein ist dabei, dass die notwendigen Mittel reichlich vorhanden sind und folglich die angedrohten Kürzungen ein ärgerlicher Ausdruck von politischen Fehllenkungen: zur Begünstigung der Reichsten und zur Aufrüstung. Das soll nicht sein.
Das unbotmäßige Treiben der Demonstrierenden wurde von den Aufklärern Gotthold Ephraim Lessings (18. Jahrhundert, Statue auf dem Gänsemarkt) und Heinrich Heine (19. Jahrhundert, Statue auf dem Rathausmarkt) wohlwollend begleitet. Die Bundeswehr ist an diesen Orten auffällig fehl am Platz – wo ist sie es nicht?
Es bleibt dabei, dass die Gewalt – ob nun durch den Druck von Zinsen oder von Waffen – das menschenwürdige Leben und eine global gelingende Zukunft verneint. Sie muss aus Grundlegend aus den Beziehungen von Menschen zueinander getilgt werden.
Die Menschheit kann sich befreien. Sie konnte es 1945 gegen Faschismus und Weltkrieg; sie kann es heute allzumal. Gerade jetzt sind die Voraussetzungen durch allseits unverzichtbare internationale Beziehungen, durch Verkehr, Kommunikation und Bildung, durch bemerkenswerte Produktivität und immensen erarbeiteten Reichtum hervorgebracht, jedes Unrecht, Elend, Furcht sowie Neid, Hass und Ungleichheit hinter sich zu lassen. Auch die kodifizierten „wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte“, die vermittelt über die Vereinten Nationen den Maßstab einer menschenwürdigen Entwicklung bestimmen, können realisiert werden. Es gibt Menschen, Organisationen, Bündnisse, Bewegungen, die auf nahezu jedem Flecken der Erde entsprechend engagiert sind.
Ein wesentlicher Beweger für diese Tendenz sollten allemal die Hochschulen sein. Schöpferisch, kritisch und gesellschaftlich eingreifend entstehen so Beiträge zum dringend nötigen Frieden. Denn: Ein guter Sinn der persönlich-gesellschaftlichen Tätigkeit ist auch ein Menschenrecht.
Darunter sollten wir nicht (ver-)handeln.
- D O K U M E N T I E R T -
Hamburg, den 17. Juni 2026, zur Sitzung des Akademischen Senats am 18. Juni 2026
(Zum Geleit: regelmäßige Thesen zu aktuellen Themen von linken Studierenden an die AS-Mitglieder)
Golnar Sepehrnia, Olaf Walther
Zum Geleit CXCI
Aussichten
„Wir haben nunmehr vier Prinzipien der Moral
1. Ein philosophisches: Tue das Gute um sein selbst willen, aus Achtung fürs Gesetz.
2. Ein religiöses: Tue es darum, weil es Gottes Wille ist, aus Liebe zu Gott.
3. Ein menschliches: Tue es, weil es deine Glückseligkeit befördert, aus Selbstliebe.
4. Ein politisches: Tue es, weil es die Wohlfahrt der großen Gesellschaft befördert, von der du ein Teil bist, aus Liebe zur Gesellschaft, mit Rücksicht auf dich...
Sollte dieses nicht alles dasselbe Prinzip sein, nur von andern Seiten angesehn?...“ (193)
Georg Christoph Lichtenberg, "Einfälle und Bemerkungen", Heft L, 1796-1799.
Sinn, Wert, Maß und rationaler Gesellschaftsbezug der Wissenschaften sind souverän neu zu bedenken
und zu bestimmen.
Der Kampf dafür ist ein menschlicher.
Das so Begonnene ist auszubauen.