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Wohin?

Nennenswertes nach der Bundestagswahl

Leitlinie des Konservatismus
„Es ist zu hoffen, dass Union und SPD sich nun auf den Kurs zur Begrenzung der Migration und zur Stärkung der inneren Sicherheit sowie der Wirtschaft verständigen können, mit dem sich der AfD der Wind aus den Segeln nehmen lässt. Sonst droht die AfD bei der nächsten Bundestagswahl nicht nur im Osten Deutschlands zur stärksten Partei zu werden.“
Berthold Kohler, „Abhängig von der SPD“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ“), 25.2.2025, S. 1 (Leitkommentar).

Ach, diese Jugend!
„Wenn das alles [gute Social-Media-Auftritte, Emotionalisierungen, gegen Kompromisse von Regierungsparteien] als Erklärung nicht ausreicht, mag eine altväterliche Weisheit heranziehen: ›Wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz, wer es mit 40 immer noch ist, keinen Verstand‹ (wahlweise Winston Churchill, Theodor Fontane oder Bertrand Russell zugeschrieben). Junge Menschen, soll das heißen, neigen seit jeher den Extremen zu, stellen Gesinnungsethik über Verantwortungsethik. Mit zunehmendem Alter finden sie dann zu Vernunft und Mitte. Vielleicht war die Jugend also endlich wieder einmal ganz bei sich selbst.“
Jannis Koltermann, „Wer mit 20 kein Kommunist ist“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“), 25.2.2025, S. 11.

Auf heute und morgen übertragen
„Sie wird kommen die Zeit, da der Mensch das Gute tun wird, weil es das Gute ist, nicht weil willkürlich Lohn und Strafe darauf gesetzt wird.“
Gotthold Ephraim Lessing, „Die Erziehung des Menschengeschlechts“, 1780.

Zur Klarheit: Nach wie vor ist nicht erwiesen, daß durch das menschenunwürdige Prinzip „Abschieben, abschieben, abschieben!“ mehr Sozialwohnungen entstehen, die Infrastruktur saniert und modernisiert wird, Bildung, Kultur, Soziales und Gesundheit entwicklungsadäquat öffentlich finanziert werden, neue nützliche Arbeitsplätze entstehen, der Mindestlohn erhöht wird, Reichtum angemessen besteuert wird, die Klimakrise zu überwinden ist, Kriege beendet, das Nord-Süd-Gefälle ausgeglichen und der Geschichtsklitterung der Ewiggestrigen wirkungsvoll begegnet wird.

Gleichfalls ist wenig überzeugend, daß mit rechter (Ungleichheits-)Politik der schädliche gesellschaftliche Einfluß der extrem Rechten zu minimieren sei. Und dann noch die Jugend: Wenn mensch noch jung ist, darf er ja ein bißchen verrückt sein. Das nenne man nach Max Weber dann „gesinnungsethisch“. Warum aber soll ein engagiertes Votum für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Antifaschismus, Demokratie und kultivierter Kontroverse lediglich auf ein junges Alter begrenzt und nicht ebenso „verantwortungsethisch“ sein?

Vernünftig und sinngebend sei nur, was gerade eben so pragmatisch möglich ist? Hier spricht das Prinzip „Der Widerspenstigen Zähmung“!

Das sollte nicht darin beirren, für das Gute nachdrücklich einzutreten. Einige Parteien, die Gewerkschaften, soziale Bewegungen und auch die studentische Interessenvertretung sowie die Akademische Selbstverwaltung bieten dafür Raum, Möglichkeiten und aktive Gleichgesinnte.

Diese Möglichkeiten sind aktuell verstärkt wahrzunehmen – egal, welche Regierungskoalition in Berlin unter Mühen gebildet sein wird. Selbstverständlich bleibt es besser, links zu wählen – zur Alltagsfreude und über die Wahl hinaus. Die solidarischen Persönlichkeiten wachsen auf diese Weise. Die Übel müssen nicht bleiben.
Ein echter humaner Richtungswechsel ist erforderlich.
Die Aufklärung mag überzeugen.