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Im Zweifel für die Position der Wahrheit

Literatur muß sein!

Warum?
„Was dem Teufel das Weihwasser ist den Autokraten die Literatur. Deshalb zögern sie nicht, Bücher zu verbieten, um die Hoheit über den Diskurs zu behalten. Weil Romane, Erzählungen und Gedichte ihre angemaßte Legitimität infrage stellen, alternative Weltanschauungen fördern oder gar zur Rebellion aufrufen können. Die Liste der aus diesen Gründen verbotenen Werke ist lang und reicht von Boris Pasternaks ›Doktor Schiwago‹ – wegen seiner Kritik am Stalinismus zu Sowjetzeiten – bis zu Ray Bradburys Roman ›Fahrenheit 451‹, der die Unterdrückung der Meinungsfreiheit thematisiert und in Amerika dafür zeitweise selbst zensiert wurde. Umgekehrt gilt der Kurzschluss natürlich nicht, dass Literatur uns zu besseren Menschen macht. Auch wer liest, ist zu den schlimmsten Verbrechen fähig, nicht aber wegen, sondern trotz der Lektüre. Denn Literatur macht uns zu Mauerspähern, schickt uns auf die andere Seite und dreht die Perspektive: So also könnte die Welt aussehen! So ließe sich die Wirklichkeit neu buchstabieren!“
Sandra Kegel, „Empathie“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“), 08.03.2025, S. 9.

Zum schlechten Beispiel
„Durch das Verbannen bestimmter Bücher aus Schulbibliotheken versucht Donald Trump nun Themen, die ihm ein Dorn im Auge sind, kleinzumachen. Nehmen wir nur mal das Beispiel Rassismus, das in den USA seit Jahrzehnten, seit Jahrhunderten ein nicht enden wollendes Riesenthema ist, das zum einen nicht kleinzureden, zum anderen kaum in den Griff zu kriegen ist. Das einzige, was man tun kann, ist (vor allem junge) Menschen diesbezüglich aufzuklären. Trump verhindert das nun jedoch, indem er Kindern den Zugang zu einer Bildung erschwert, die dafür sorgen könnte, dass es weniger Rassismus im Land gibt.“
Daniel Schieferdecker, „Verbotene Lektüre: Diese Bücher hat Donald Trump in den USA nun aus Schulbibliotheken entfernen lassen“, „Esquire“, 09.03.2025.

Genauigkeit
„Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf.“
Kurt Tucholsky, „Mir fehlt ein Wort“, 1929.

Sinn und Zweck
„Wo das monarchische Prinzip in der Majorität ist, da sind die Menschen in der Minorität, wo es nicht bezweifelt wird, da gibt es keine Menschen.“
Karl Marx an Arnold Ruge, Mai 1843, Marx-Engels-Werke (MEW) Band 1, S. 340.

Das Sprichwort „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht“ kann dadurch relativiert werden, indem eine Lüge nach der anderen dummdreist und von hoher Stelle in der Gesellschaft wiederholt wird (siehe Donald Trump und sein bösartiges Lügenstakkato).

Wenn das nicht ausreicht, muß – herrschaftsgemäß – das Bildende verboten werden, daß es nur so kracht.

Die Literatur, wie die Kunst überhaupt, gibt uns ein verdichtetes Bild, wie es ist, wie es sein könnte und daß nichts so sein muß, wie es ist oder uns als alternativlos einzureden versucht wird. Auch die negative, die übertreibende Darstellung und Figuration, z.B. die Dystopie oder die Satire zeigt uns in ihrer Warnung, wogegen sich – wider alle Verharmlosung – aufzulehnen lohnt.

Literatur oder die künstlerische Ästhetik ist ein Phantasie-Erlebnis, das sich mit anderen teilen läßt. Hier entstehen im besseren Fall kritische Deutungsgemeinschaften.
Auf diese Weise kann sich – auch heitere – Distanz zur vermeintlichen Unumstößlichkeit von Gewalt und Unterdrückung bilden.

Wer lacht, hat keine Angst vor dem Teufel. Das Schüren von Unterwerfung findet keine Feuerstelle.

Deshalb kann die strikte Zensur als eine aggressive Defensive bewertet werden, die sich am besten ernst und heiter nehmen läßt. Daraus können gemeinsame politische Aktivitäten gegen strukturelle Ungleichheiten für sozialen und kulturellen Fortschritt entstehen, die auf die erforderliche Realisierung des Allgemeinwohls gerichtet sind.

Dasselbe gilt für die Wissenschaften, mentale Verwandte zu den Künsten.

Besonders in der historischen analytischen Betrachtung wird deutlich, wie etwas geworden ist, nicht ohne Alternative war oder schon mehr gelungen ist als gegenwärtig. Als Gemachtes, Kritisierbares und Änderbares oder Beispiel gebendes. Entsprechende Empfehlungen bleiben nicht aus.

Aus diesen Gründen sind Lügen durchschaubar, zu entlarven, und jeglicher Zensur mit Nachdruck zu widersprechen. Der Wahrheit, dem Fortschritt und dem Menschen die Ehre! Die Hochschulen sind ein geeigneter Ort für diese solidarische und aufgeklärte Praxis.

In der Tat
Aktive Wahrheit
ist profunder Gegensatz:
Humanisierung!