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Neubestimmung
So nicht
„Fröhliche Weihnachten! Der Gabentisch für 2026 ist gedeckt. Großunternehmen können sich über einen staatlich subventionierten Industriestrompreis freuen und die Senkung der Körperschaftssteuer. Auch an sich selbst haben Politiker gedacht, sie dürfen bei Flügen unter vier Stunden nun wieder Business-Klasse buchen und müssen sich nicht (zu viel Volksnähe!) neben den Plebs quetschen. Damit es ihren Parteien gut geht, haben sie den Parteispendenabzug verdoppelt. Bürgergeld-Empfänger:innen beschert die Koalition dagegen eine Nullrunde und verschärfte Sanktionen, das Deutschland-Ticket wird teurer, Heizen sowieso, das Kindergeld steigt um schlappe vier Euro. Wie es mit den Sozialbeiträgen im neuen Jahr weitergeht, weiß niemand, wahrscheinlich werden sie erhöht, obwohl das noch vor Kurzem ausgeschlossen wurde. Die Krankenkassen haben den Bund jetzt erst einmal verklagt, ihre Schulden für die Beiträge von Bürgergeldbezieher:innen zu begleichen. Und Der Kanzler? Der predigt zur Erbauung: mehr und länger zu arbeiten, bitteschön.“
Ulrike Baureithel, „Solidarität geht anders“, „der Freitag“, Nr. 50/11.12.´25, S. 1.
Widerspruch
„Mehrere Hunderte Schüler waren dem Unterricht unerlaubt ferngeblieben, um in der Innenstadt [Frankfurt M.] gegen das neue Gesetz [zum „Wehrdienst“] zu demonstrieren. Aus den Lautsprechern tönte der Song >Meine Söhne geb´ ich nicht< des linken Deutschrappers Disarstar. >Die sitzen in Palästen und dann reden sie von der Wehrpflicht<, heißt es in einem Vers. Passend skandierten dazu viele Schüler >Reiche wollen Krieg, die Jugend will Zukunft<. (…) Und was ist mit der Einschätzung der meisten Fachleute, nur eine starke Bundeswehr könne Putin davor abschrecken, die NATO in naher Zukunft anzugreifen? Für die drei Jungs ist das kein schlüssiges Argument. >Zahlenmäßig ist die NATO – schon die EU-Staaten allein – Rußlang maßlos überlegen<, ist sich Joni sicher. Damit sei doch Abschreckungspotential hergestellt. Außerdem fürchten die drei Streikredner, eine Aufrüstung könnte nicht abschrecken, sondern provozieren – und sie am Ende in einem Krieg sterben lassen, den sie nie wollten.“
Jannis Holl, „Die ungehörte Generation“, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), 14.12.´25, S. 2.
Mit Weitsicht
„Nein, die Demokratie ist nicht verwirklicht, die soziale, in der die Völker zu leben wünschen, während ihre Regierungen es im Namen des Vaterlandes hintertreiben. Ein anderer Völkerbund wäre nötig als der Genfer [1920-1946, aufgelöst zugunsten der UNO]: ein Bund der Völker gegen ihre Regierungen, die ihren Friedenswillen nicht ausführen; und der bürgerlich geborene geistige Mensch muß sich heute sagen, daß, wenn in den Hauptstaaten Europas heute Arbeiterregierungen an der Spitze stünden statt bürgerlicher oder feudaler, der Erdteil ein gutes Stück weiter, als es leider der Fall ist, auf dem Wege der Ordnung, Vernunft und Gesundung vorangeschritten wäre.“
Thomas Mann, Rede vor Wiener Arbeitern, 1932.
Der Kanzler predigt. Nicht, in wahrhaft besserem Sinne, christlich oder gar sozial, sondern mit erstaunlicher Dreistigkeit beschönigend, brachial, nicht aufgeklärt und doch recht kriegerisch.
Nicht nur die Jugend braucht, bei deutlich ungenügender Gegenwart, Zukunft, d.h. menschenwürdige Bedingungen und Möglichkeiten, nach Maßgabe des Allgemeinwohls, der Vernunft bzw. der Beseitigung des Elends und des Raubbaus an Mensch und Natur.
Dafür ist das soziale Leben nicht hinzugeben, sondern neu zu gestalten und zu entfalten.
Berechtigte Ansprüche haben ihre Geschichte und sind auf erweiterter Stufe der gesellschaftlichen Entwicklung zu verwirklichen.
Frieden als Gewaltfreiheit, zivile Entwicklung und internationale Kooperation stehe dabei an erster Stelle globaler, regionaler und persönlicher Bemühungen für eine tatsächlich bessere Welt.
Niemand sollte hungern oder sich hinter´s Licht führen lassen. „Kriegstüchtigkeit „ ist keine Tugend (wann je?), Friedensfähigkeit ist bestimmbar, erlernbar und in kritischem Engagement zu realisieren.
Dieses Lernen wesentlicher Menschlichkeit beginnt in der KITA, geht weiter in der Schule, hat Bedeutung in den Hochschulen, in der Berufswelt, in der sozialen, politischen, kulturellen Tätigkeit sowie in der heilenden Bestimmung des Gesundheitswesens.
Die Hochschulen sollten mit neuem Drive in der Bestimmung von Bildung respektive der Einheit von Forschung, Lehre und Lernen diesem Maßstab allseitiger Humanisierung, ethisch und praktisch intendiert, immer wieder näherkommen.
Auf diese Weise ist auch die angemessene öffentliche Finanzierung der Hochschulen – nicht in Konkurrenz zu anderen notwendigen öffentlichen Aufgaben – zu begründen und zu fordern.
So erhält gleichfalls die Fortsetzung der Studienreform (Bachelor-/Master; Abbau der Restriktionen, Master als Regelabschluß, lebendige Interdisziplinarität) neuen erforderlichen Schwung.
Diese verallgemeinerungswürdige Perspektive, Orientierung und politische Anregung hat auch Bedeutung für die Wahlen zur Akademischen Selbstverwaltung, zum Akademischen Senat der Universität. Wir haben tatsächlich die Wahl. Sie hat Folgen. Wir haben Bedeutung.