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Lesen, Schreiben, Handeln
Kritischer Befund
„Die schwindende Lesekompetenz kann nach Ansicht des neuen Vorstehers des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Sebastian Guggolz, dramatische Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. >Im kommenden Jahr wird eine neue Pisa-Studie veröffentlicht, das heißt, dass wieder vergrößerte Aufmerksamkeit auf den Themen Bildung und Leseförderung liegen wird< , sagt der Berliner Verleger. Es sei dringend nötig, dass die Politik endlich handele. Etwa jeder fünfte Erwachsene in Deutschland kann nur schlecht lesen und schreiben. Das sind 10,6 Millionen Menschen. Diese Zahlen gehen auf die Sonderanalyse der Universität Hamburg zurück. Der Stiftung Lesen zufolge kann ein Viertel der Kinder in Deutschland am Ende ihrer Grundschulzeit nicht ausreichend gut lesen. Und ein ganzes Lernjahr betrage der Vorsprung bei der Lesekompetenz, den Kindern aus formal [sozial] besser gestellten Familien gegenüber Kindern aus sozial schwierigeren Verhältnissen am Ende der Grundschule hätten - (…).“
„Nicht mehr lesekompetent“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“), 29.12.´25, S. 9. Nach einer Meldung der dpa.
Gesellschaftliche Verheerungen
„Der [neoliberale] Washington Consensus [der 1990er Jahre] votiert für (1) ein Verbot hoher Staatsdefizite, (2) moderate Steuersätze, (3) Beschränkung staatlicher Ausgaben auf Bildung, Gesundheit und Infrastruktur, (4) keine staatliche Zinskontrolle, (5) wettbewerbsfähige Wechselkurse, (6) Abbau von Zöllen und anderen Handelsbeschränkungen, (7) Liberalisierung ausländischer Direktinvestitionen, (8) Privatisierung staatlicher Unternehmen, (9) Deregulierung und Abbau von Markteintrittsbarrieren, und (10) Sicherung von Eigentumsrechten.“
Rainer Hank, „Das Erbe des Neoliberalismus“, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), 28.12.´25, S. 18.
Aktueller Grundgedanke
„Freilich, das helle Sonnenlicht der Preßfreiheit ist für den Sklaven [allegorisch gemeint], der lieber im Dunkeln die allerhöchsten Fußtritte [allein ]hinnimmt, ebenso fatal wie für den Despoten, der seine einsame Ohnmacht [weil historisch überflüssig] nicht gern beleuchtet sieht. Es ist wahr, daß die Zensur solchen Leuten sehr angenehm ist. Aber es ist nicht weniger wahr, daß die Zensur, indem sie einige Zeit dem Despotismus Vorschub leistet, ihn am Ende mitsamt dem Despoten zugrunde richtet, daß dort, wo die Ideenguillotine [Infragestellung] gewirtschaftet, auch bald die Menschenzensur [kritisches Sozialbewußtsein] eingeführt wird, daß derselbe Sklave, der die [herrschenden] Gedanken hinrichtet, späterhin mit derselben Gelassenheit [kritische Souveränität] seinen eigenen Herrn ausstreicht aus dem Buche des [gesellschaftlichen] Lebens."
Heinrich Heine, "Einleitung zu >Kahldorf über den Adel<", 1831.
Die Bilanz ist ernüchternd: Der noch nicht überwundene Neoliberalismus hat – anders als Rainer Hank (s.o.) den Leserinnen und Lesern der „Zeitung für Deutschland“ einreden will – viel Schaden angerichtet. Dieser ist massiv zu beheben.
Die strukturelle Unterfinanzierung von Kitas, Schulen Hochschulen, von öffentlichen Bibliotheken, Theatern, Museen und Sporteinrichtungen minimiert die Lese-, Schreib-, Lern- und Sozialqualifikation einer Mehrheit der Bevölkerung. Soziale Ungleichheiten verschärfen diesen negativen kulturellen Trend. So gibt es beispielsweise 6,2 Millionen funktionale Analphabeten in der Bundesrepublik Deutschland. Der Hype um die chaotische Nutzung des Internets bzw. der sozialen Medien, die Suchtcharakter annehmen, verstärkt omnipräsent diese dekultivierende Entwicklung.
Es ist nicht von gestern, sondern gute Errungenschaft und Tradition, dem Lesen, Schreiben, Vorlesen und somit auch dem sozialen Lernen hohe gesellschaftliche Bedeutung beizumessen bzw. diese Aneignungsweise zu fördern.
Der politische und soziale Einsatz für die Alphabetisierung sowie die soziale Ausweitung von Bildung und Kultur gehörte stets zu gesellschaftlichen Aufbrüchen bzw. fortschrittlichen Phasen in der gesellschaftlichen Entwicklung. So beispielsweise auch in den 1970er Jahren mit der Öffnung der Hochschulen und der Reformierung der Lehrlingsausbildung. So entstanden ebenso demokratische pädagogische Konzepte und ein demokratischeres Lehr- Lernverhältnis.
Hinzu kommt, dass das Buch keineswegs ad acta gelegt werden sollte.
Die Friedenserziehung und die Bildung mündiger Persönlichkeiten gewannen neue Bedeutung für die aufgeklärte Gestaltung der Gesellschaft.
Daran ist aktuell zu erinnern, das ist neu aufzugreifen, wenn die „Kriegstüchtigkeit“ erdrückende Dominanz erhalten soll, der Heroismus gepriesen wird und die zivilen Einrichtungen (Gesundheit, Bildung, Soziales, Kultur) strukturell benachteiligt sind und das Militärische Milliardensummen verschlingt. Mit dem „Wehrdienst“ soll in diesem Zusammenhang Befehl und Gehorsam, das sinnlose Strammstehen, eingeführt werden.
Gegen diese unheilvolle Entwicklung wirkt nicht nur die Friedensbewegung, sondern wirken auch vereinte Akteure in Kunst, Kultur und Wissenschaften. Hier zeigt sich und wirkt praktische Vernunft für eine zivile (internationale) Entwicklung und die Realisierung des Allgemeinwohls sowie solidarisch verantwortlicher Persönlichkeiten. Die Mitwirkung daran richtet auf, läßt weiter blicken, sinnvoll handeln und freundlicher sein. So ist das Gute die mögliche Alternative zu jeder Art von Bedrängung.