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Wissenschaft und Kunst als (mögliche) Lebensmittel
Wider die Kürzungen
„Inmitten der Diskussionen über Sparmaßnahmen und, wie es immer so schön heißt, >haushaltspolitische Notwendigkeiten< wird der Kulturbereich immer wieder vorrangig in den Fokus der Budgetkürzungen gestellt. Eine Entscheidung, die in ihrer Tragweite weit über die unmittelbaren finanziellen Auswirkungen hinausgeht: Sie trifft tatsächlich das Herz unserer Gesellschaft. (…) Kultur ist de Raum, in dem sich Gesellschaften kritisch hinterfragen, in dem sie ihre Werte diskutieren und indem sie ihre kollektive Erinnerung bewahren. Kultur ermöglicht es, neue Perspektiven zu gewinnen und eigene Denkmuster zu reflektieren. Wenn Kultur im öffentlichen Raum durch Kürzungen bedroht ist, wird dieser Raum eingeschränkt. Und das ist fatal, den Künstler*innen, Museen, Theater, Bibliotheken und andere kulturelle Institutionen sind Ideenschmieden einer Gesellschaft. (…) Und Kunst ist in Zeiten wie diesen wichtiger denn je. In Zeiten von gesellschaftlichen Umbrüchen, von Kriegen und Katastrophen – sie ist vielleicht die einzige Art und Weise, wie wir mit der Ungeheuerlichkeit der Welt umgehe können.“
Marc Peschke, „Ohne Kunst kein Leben“, „ver.di publik“, Nr. 6/2025, S. 15.
Ein bedenkenswertes Anliegen
„Wie schön müßte es sein, mit gesammelter Kraft und mit der ganzen Macht der Erfahrung zu studieren! Sich auf eine Denkaufgabe zu konzentrieren! Nicht von vorn anzufangen, sondern wirklich fortzufahren; eine Bahn zu befahren und nicht zwanzig; ein Ding zu tun und nich dreiunddreißig. Niemand von uns scheint die Zeit zu haben, und doch sollte man sie sich nehmen. Wenige haben dazu das Geld. Und wir laufen nur so schnell, weil sie uns stoßen, und manche auch, weil sie Angst haben, still u stehen, aus Furcht, sie könnten in der Rast zusammenklappen - -“
Kurt Tucholsky, „Ich möchte Student sein“, 1929.
Schauen wir genau hin: Die Freiheit von Kunst und Wissenschaft ist gleichrangig vom Grundgesetz normativ im Artikel 5 (Satz 3) zur Meinungsfreiheit garantiert.
Dieser Artikel steht im Zusammenhang der positiver Grundrechte (Menschenwürde Art. 1, Freie Entfaltung der Persönlichkeit Art. 2, Gleichheit vor dem Gesetz Art 3, Versammlungsfreiheit Art8, Vereinigungsfreiheit Art. 9, Eigentum verpflichtet Art 14, Satz 2 (inklusive Satz 3 und Art. 15 zur Sozialisierung von Eigentum) sowie Art 20, Satz 1: demokratischer und sozialer Bundesstaat.
Zugleich wird dem grundsätzlichen Gleichmaß von Kunst und Wissenschaft implizit ein kreatives Potential zugemessen. Die Bildungssubstanz mündiger Menschen.
Insofern läßt sich von unverzichtbaren kulturellen Lebensmittel sprechen, um ihren sozialen Wert zu ermessen und praktisch zu fordern.
So läßt sich auch positiv – gestaltungswillig in der sozialen Kontroverse – bestimmen, was es heißen kann und soll, Student, Studentin zu sein. Lernen mit Konsequenz.
Diese Haltung und Orientierung geht über Kürzungsdrohungen, Konkurrenzgebote und Gleichgültigkeiten aller Art hinaus. Es wird heller.
So läßt sich gemeinsam auch Abstand gewinnen von unschön unmittelbaren Bedrängungen, die mit der schädlichen Einrede verbunden sind, man sei Schuld an dem – meist berechtigten – Unbehagen.
Von daher bedacht haben wir die Wahl, eine neue Souveränität zu gewinnen. Es bleibet dabei: „Denken ist etwas, das auf Schwierigkeiten folgt und dem Handeln vorausgeht.“ Bertolt Brecht. „Me-ti/Buch der Wendungen“, entstanden im Exil der 1930er Jahre.
Dabei-Sein ist befreiend!