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„Abverlangen“?
Dummdreist
„Ich sage das nicht leichtfertig, und ich sage das in dem Wissen, dass wir als Bundesregierung auch und gerade den jungen Menschen in diesem Land mit diesem Wehrdienstgesetz etwas abverlangen. Ich möchte daher in Richtung der jungen Menschen sagen: Sie sind tatsächlich in einer besonderen und in einer sehr fordernden Situation, weil zwei Dinge gleichzeitig wahr sind: Wer in den letzten 10, 20, 30 Jahren in diesem unserem Land geboren wurde, wurde in einen historisch beispiellosen Wohlstand hineingeboren, in eine historisch beispiellose Welt der Möglichkeiten, wie wir sie in der Geschichte unseres Landes noch nie hatten. Dieser Generation stehen so viele Türen offen wie keiner Generation zuvor.
Aber gleichzeitig hat sich der geopolitische Horizont verdunkelt. Ich habe von der Größe der Aufgaben gesprochen, vor denen wir stehen. Wir wollen weiter das Versprechen abgeben können, das in der Bundesrepublik Deutschland sehr lange gegolten hat: Unser Land soll von Generation zu Generation in einem besseren Zustand übergeben werden; unser Land soll auch in Zukunft [?]eine gute Zukunft versprechen können.“
Friedrich Merz, Haushaltsdebatte im Deutschen Bundestag – 21. Wahlperiode – 43. Sitzung, 26.11.´25.
Kritischer Blick
„Die alte Wehrpflicht hat diesen infamen Krieg [1914-1918] mitverschuldet. Der Kadavergehorsam des deutschen Militarismus ist ein Pestherd gewesen: eine bunte, verlogene Sache nach außen – eine schmutzige, rohe und völlig wertlose nach innen. Die Produkte dieser militärischen Erziehung waren schlechte Karikaturen der Lehrer, und da die schon eine Karikatur waren, kann man sich vorstellen, wie das aussah, was da herauskam: Männer, die allen Ernstes glaubten, eine »Meldung«, eine »Dienstvorschrift« stehe über dem Leben und könne eine Welt meistern. Die Niederlage, die Unbeteiligte haben mitbüßen müssen, hat ihnen gezeigt, was es damit auf sich hat. Die alte Wehrpflicht hat das gesamte kulturelle Leben in Deutschland verdorben, und wenn heute die republikanischen Parteien den Mut nicht aufbringen, das zu sagen, so liegt das wohl daran, dass sie es in ihrer großen Masse bis heute noch nicht begriffen haben.“
Kurt Tucholsky, „Die Wehrpflicht“, 1924.
Das Dafür dagegen
„Was unser Land braucht ist nicht der Abbruch des Sozialstaates, sondern ein Aufbruch zu mehr Solidarität mit jenen Menschen, die von Armut bedroht oder betroffen sind. Die soziale Scham muss die Seite wechseln – von den Armen, die ihnen zustehende Unterstützung oftmals gar nicht in Anspruch nehmen, zu den Verursachern von Armut. Dazu gehören neben Unternehmen, die Hungerlöhne zahlen, und Immobilienbesitzern, die Mietwucher betreiben, auch Politiker, die >schmerzhafte Reformen< durchführen. Also Sozialleistungen kürzen oder streichen wollen.“
Christoph Butterwegge (Politikwissenschaftler), „Der Sozialstaat als Sündenbock“, „SPIEGEL“ Nr. 49/28.11.´25, S. 48-49, hier S. 49.
Zurück ist garantiert nicht vorwärts: Die 1950er Jahre waren – nicht ohne Widerstände – recht(s) ordentlich. Mit Wiederbewaffnung, Fortsetzung alter Eliten und Menschenmuster (in Wirtschaft, Justiz, Militär, Politik sowie traditioneller Familie).
Daran wird wieder vorbehaltlos angeknüpft, wenn die „Kriegstüchtigkeit“ und in damit Einheit private bzw. soziale Bescheidenheit vehement propagiert werden.
Krieg, Aufrüstung und Militarisierung schaden allen direkt und mittelbar Beteiligten. Schon Kurt Tucholsky stellte 1924 fest, daß das kulturelle Leben dadurch verdorben wird.
Auch der „Sündenbock“ Sozialstaat ist ein geprügeltes Tier. Es wird mit allerlei Unsinn beladen. In der Wüste darf es dann verdursten. Soziale Daseinsvorsorge – auch Bildung, Kultur und zivile Infrastruktur – ist dagegen und darüber hinaus ein unverzichtbarer gesellschaftlicher Maßstab für den allgemeinen Entwicklungsgrad sozio-ökonomischer Verhältnisse. Zudem bilden die zivilen Errungenschaften das Selbstbewußtsein der Mehrheit der Bevölkerung und sind ein positiver ökonomischer Faktor.
Die Schuldeinrede gegen berechtigte Anliegen und Forderungen aller Art ist deshalb nachhaltig abzulehnen. Ein besseres Leben ist keine Schande.
Zudem gibt es drängende (globale) Aufgaben, die erfolgreich zu realisieren sind, statt die Rüstungsindustrie, große Vermögen und atemberaubende Gewinne oder bemerkenswert hohe Managergehälter zu mästen: Das Elend auf der Welt, das lang tradierte Nord-Süd-Gefälle, die Klimakrise und undemokratische Verhältnisse (inkl. Menschenverachtender Vorurteile) sind dringend zu überwinden.
Diese menschenwürdige Tendenz ist gleichfalls das beste Gegenmittel zur AfD und ihren Ewiggestrigen.
Ein rationaler Faktor in dieser aktiv zu realisierenden Tendenz sollten zunehmend auch die Hochschulen sein.
Die Erde ist keine Scheibe (wir fallen nicht vom Rand) und voll von Erfahrungen sowie von schon Erreichtem. Verdunkelungen müssen nicht sein.
Frieden ist die allseitige Schaffung des Allgemeinwohls. Die Mehrheit ist gefragt, ihre Antworten Tat werden zu lassen. Wissenschaft ist Wahrheitsfindung, Aufklärung, Sinnstiftung, Anregung zum Besseren und dabei die Entwicklung solidarisch verantwortungsvoller Persönlichkeiten.
▶ Aktiv
Der Menschen Recht zu beachten:
Zu beenden alle Schlachten.
BAE!-Sinnvers für die Jura-Fakultät.