Home › Publikationen › Flugblatt von Liste LINKS, junge sozialist:innen & fachschaftsaktive und SDS* vom
„Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“?
Zur Kenntnis
„Wenn man die Frage von Krieg und Frieden in langen Linien betrachtet, bildet die neue Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eine Zäsur. Der vorgelegte Text und auch die Kirchenleitung geben sich zwar Mühe, diesen Bruch mit der Beteuerung zu verschleiern, dass die bisherige Friedensethik bloß >aktualisiert und konkretisiert< werde und lediglich >Neuakzentuierungen< vorgenommen werden. Doch wenn man die am Montag auf der EKD-Synode in Dresden präsentierte Denkschrift neben die bisher gültige Denkschrift von 2007 oder das Friedenspapier der EKD-Synode von 2019 legt, lässt sich der inhaltliche Bruch schwerlich übersehen: Die evangelische Kirche verabschiedet sich mit dem neuen Papier vom Pazifismus, sofern man diesen als politische Lehre begreift. >Christlicher Pazifismus ist als allgemeine politische Theorie nicht zu begründen<, heißt es dazu in der Denkschrift.(…) >Als universale politische Ethik lässt sich der Pazifismus des kategorischen Gewaltverzichts ethisch nicht legitimieren.<“.
Reinhard Bingener, „Frieden unter neuem Vorzeichen“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“), 11.11.´25, S. 3.
So geht es auch
„Brich an, o schönes Morgenlicht,
Und lass den Himmel tagen!
Du Hirtenvolk, erschrecke nicht,
Weil dir die Engel sagen,
Dass dieses schwache Knäbelein
Soll unser Trost und Freude sein,
Dazu den Satan zwingen
Und letztlich Friede bringen!
Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen,
Lass dir die matten Gesänge gefallen,
Wenn dich dein Zion mit Psalmen erhöht!
Höre der Herzen frohlockendes Preisen,
Wenn wir dir itzo die Ehrfurcht erweisen,
Weil unsre Wohlfahrt befestiget steht!“
Chöre aus dem „Weihnachtsoratorium“, Teile II und III (1734 in Leipzig erstaufgeführt), von Johann Sebastian Bach (1685-1750).
Grundsätzlich
„In dem Maße, wie die Exploitation [Ausbeutung] des einen Individuums durch das andere aufgehoben wird, wird die Exploitation einer Nation durch die andere aufgehoben. Mit dem Gegensatz der Klassen im Innern der Nation fällt die feindliche Stellung der Nationen gegeneinander.“
Karl Marx/Friedrich Engels, „Manifest der Kommunistischen Partei“, 1848.
Pazifismus ade? Es soll der „idealistisch-utopische Überschuss“ zurückgenommen sein. „Kriegstüchtigkeit“ möge „Verteidigungsfähigkeit“ heißen. Der einseitige Verzicht auf Atomwaffen sei „kaum politisch zu vertreten“. In der Denkschrift wird statt für die Wehrpflicht für einen Ausbau des Freiwillligendienstes in der Bundeswehr und in zivilen Bereichen plädiert.
Gegen diesen staatstreuen Bellizismus regt sich interner Widerstand aus den hinteren Reihen und aus der Basis. „Krieg soll nach Gottes Wille nicht sein!“ Dieser Gottesbezug ist für Gewaltfreiheit. Das bleibt triftig.
Auch ohne Gottesbezug ist der notwendige Vorrang für Frieden, Abrüstung, Gewaltlosigkeit und zivile Entwicklung möglich. So nicht zuletzt in der UNO-Charta, in der Friedensbewegung sowie in den Friedenswissenschaften, in Bildung, Kunst und Kultur.
Frieden ist gleichzeitig, gleichermaßen eine soziale Frage. Sinnvolle Arbeit, ausreichende Bezahlung, tatsächliche Mitbestimmung sind gesellschaftlich zu erwirken. Für öffentliche Aufgaben wie Gesundheit, Bildung, Kultur und Infrastruktur muß der Vorrang zum Allgemeinwohl engagiert realisiert werden. Die globalen Probleme oder Aufgaben wie die Klimakatastrophe und das menschliche Elend müssen und können gelöst werden. Krieg ist nicht Frieden. Soziale Ungleichheit kein Naturphänomen. Jeglicher Raubbau ist perspektivlos. Darauf liegt gewiß kein Segen.
Frieden als Gewaltlosigkeit, soziale Progression, demokratische Teilhabe und internationale Solidarität sind der universale Ernstfall.
Auf diese Weise ist der Pazifismus aktuell und eine gesamtgesellschaftlich bzw. eine globale Perspektive, die Alle etwas angeht und von den meisten zu verwirklichen ist.
Die Wissenschaften, ihre Subjekte, dürfen dabei nicht am Rande stehen oder gar sich mißbrauchen lassen. Wahrheitsfindung und gesellschaftliche Intervention für eine menschenwürdige Entwicklung gehören unzweifelhaft zusammen. Diese Verantwortung ist neu anzunehmen.
▶ Wesentlich
Die Friedensfahne an dem Mast
vom Winde sichtbar gut erfaßt.
(Sinn-Vers des BAE! Für das Hauptgebäude der Universität)