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Pazifismus als Krücke?

Für den aufrechten Gang

Zerrspiegel
„Pazifismus ist eine schöne Haltung, aber in dieser Welt von Krieg und Frieden taugt sie nur als Korrektiv, nicht als Leitmotiv. Wohlverstandener Pazifismus kann dabei helfen, dass Deutschland und die Nato nicht in einen Automatismus verfallen,in ein Schlafwandlertum, das in den Krieg führt. Aber ein Pazifismus, der darauf beharrt, dass die Nato mitverantwortlich sei für den Krieg in der Ukraine, und damit Putins Angriff rechtfertigt, hat den Blick für die Realität verloren. Wenn Putin seine Truppe zurückzieht, herrscht sofort Frieden in Europa, Frieden ohne Krieg.“
Dirk Kurbjuweit, „Gelassener Alarmzustand“, „SPIEGEL“ Nr. 42/2025, 10.10.´25, S. 6 (Leitkommentar).

Frieden?
„Nur fallen Kriege nicht schicksalhaft vom Himmel, sondern sind menschengemacht. Erst einmal ausgebrochen, lassen sie sich schwer wieder beenden. Also sollte man alles daran setzen, sie von vornherein u vermeiden. (…) Die Rüstungsproduktion expandiert wie nie zuvor seit Ende des Kalten Krieges, die Zahl der Soldaten soll um 80.000 auf 26.000, die der Reservisten um 200.000 steigen . Der Wehrdienst kehrt zurück, zunächst auf freiwilliger Basis, sollte das nicht reichen, dann verpflichtend – doch will die CDU diesen Ansatz nun nicht mehr mittragen. (..) Enthält das Grundgesetz nicht den Auftrag, dem Frieden in der Welt zu dienen?“
Hans-Georg Erhart, „Die >Ostfront< ist zurück“, „der Freitag“, Nr. 41/9.10.ß25, S. 8.

So geht es auch
„Der sogenannte Marxismus [„Lumpenpazifismus“?] der deutschen Sozialdemokratie besteht heute in der Betreuung einer dreifachen Aufgabe: sie bemüht sich erstens, die soziale und wirtschaftliche Lebenshaltung der arbeitenden Klasse zu schützen und zu bessern, sie will zweitens die doppelt bedrohte demokratische Staatsform erhalten, und sie will drittens die aus dem demokratischen Staatsgeist sich ergebende Außenpolitik der Verständigung und des Friedens verteidigen.“
Thomas Mann, „Deutsche Ansprache/Ein Appell an die Vernunft“, 1930 (!).

Es bleibet dabei: Wer den Frieden erwirken will, muß in für die Dauer vorbereiten. Die Nato ist kein Friedensbündnis. Ihre Expansion mindert nicht die Kriegsgefahr. Pazifismus kann nicht bedeuten, aufzurüsten, den Krieg vorzubereiten und die zivile Entwicklung einzuschränken.

Wohlverstandener Pazifismus bedeutet, Kriege zu beenden, abzurüsten, vorrangige Diplomatie, Konfliktregulierung, zivile Entwicklung – und letztlich die Gewaltfreiheit gesellschaftlicher Beziehungen. Die Verschwendung sozialer, kultureller, politischer und wissenschaftlicher Kapazitäten bzw. Potentiale ist das Gegenteil einer humanen Entwicklung, der Überwindung globaler Probleme (Despotie, Not, Umweltzerstörung und schmerzhafte sozialer Ungleichheit) sowie der tatsächlichen Realisierung des Allgemeinwohls.

Realistisch ist somit die fundamentale Infragestellung der „Zeitenwende“, des Militarismus und des triumphalen Lächelns der Rüstungsindustrie.

Der oder dieser Kapitalismus ist bei weitem nicht das letzte Wort der Menschheitsgeschichte.

Der Neoliberalismus – Egoismus und Kapitalbegünstigung – ist zunehmend fragwürdig geworden. Die soziale Frage steht gewachsen im Raum. Die Naturzerstörung nimmt gefährliche Ausmaße an. Demokratie und die Entfaltung der Persönlichkeit sind nicht mit dem Prinzip von Befehl und Gehorsam und auch nicht mit einer allseits aggressiven Grundhaltung zu vereinbaren.

Darüber hinaus ist die (gegenwärtige) Geschichtsklitterung ein Feind von Aufklärung und kultureller Mündigkeit. Die Not ist zu wenden.

Die Hochschule, die Wissenschaften, ihre Akteure sollten sich demzufolge der gestiegenen Verantwortung annehmen, folgenreiches Wissen für die substanziierte Realisierung der praktischen Menschenwürde zu schaffen. Dieser Bildungsansatz ist darauf gerichtet, durch Erkenntnisgewinnung, Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftlicher Eingreifen relevant dazu beizutragen, die Verbesserung der Lebensbedingungen zu verwirklichen.

Die angewandte Zivilklauseln bilden den Kern dieser humanen Orientierung.