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Gerüstet
Zentralgestalt
„Das Gesicht des Aufstiegs der Rüstungsbranche in Deutschland ist zweifellos Armin Papperger, der langjährige Vorstandschef von Rheinmetall. Das Unternehmen hat an der Börse seit dem russischen Überfall auf die Ukraine einen kometenhaften Aufstieg erlebt und zuletzt wieder einen Rekordgewinn vermeldet. Die Anleger sind jedoch verwöhnt, und angesichts der Meldungen zu den Friedensgesprächen in Alaska gaben die Titel etwas nach. Papperger tat, was er seit Jahren regelmäßig tut: Er nutzte die Korrektur und kaufte Aktien seines Arbeitgebers. Seit Jahres beginn gab er dafür 2,7 Millionen Euro aus. Der Manager ist davon überzeugt, dass die goldenen Zeiten seiner Branche erst noch bevorstehen. Die Zahl seiner [!] Mitarbeiter werde innerhalb von zwei Jahren von 40.000 auf 70.000 steigen, sagt Papperger und spricht von der >Jobmaschine< Rüstungsindustrie, die bis 2027 rund eine halbe Million Menschen beschäftigen kann.“
Sven Astheimer, „Die Rüstungsindustrie ist noch ein Scheinriese“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“), 18.8.´25, S. 1 (Leitkommentar).
Zu beherzigen
„In ein Stammbuch
Wer Freunde sucht, ist sie zu finden wert;
Wer keinen hat, hat keinen noch begehrt.“
Gotthold Ephraim Lessing, „Sinngedichte“, 1753-1771.
Frieden als tendenzielle Stärke
„Was belohnen wir? Wird der Krieg belohnt? Und Frieden? Seien wir ehrlich: Nationalismus wird belohnt, die Bereitschaft zur Gewalt, zum Kampf gilt als stark. Und Friedensfähigkeiten? Empathie, Kompromissbereitschaft, die mühsame Perspektivübernahme, werden systematisch als schwach oder weltfremd diskreditiert. Ja: Es gibt Friedenspreise. Aber in unserem täglichen Beurteilen, in dem Frieden mit dem Krieg konkurrieren muss, in dem Frieden gedanklich mit Friedhof, mit Ruhe und Konfliktlosigkeit gleichgesetzt wird, kann Frieden im aristotelischen Denken kaum mit Krieg konkurrieren. Krieg ist im modernen antiken Denken eine Machtdemonstration. Frieden wird nicht mit Stärke gleichgesetzt. Unsere Geschichtsbücher quellen über von Schlachten, sind aber erschreckend leer, was die wahrscheinlich unzähligen Menschen angeht, die Konflikte verhinderten. Erinnerungen sind eine Form kollektiver und systematischer Belohnung.“
Emma Braslavsky (Schriftstellerin), „Weltfrieden, Carl?“ (Gemeint ist Carl Friedrich von Weizsäcker), „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“), 16.8.´25, S. 16.
Geschichte und Erkenntnis
Das Land, das keine besonderen Tugenden nötig hat
(…) Ist der Krieg unnötig, ist auch die Tapferkeit unnötig. Sind die Institutionen gut, muß der Mensch nicht besonders gut sein. Freilich ist ihm dann die Möglichkeit gegeben, es sein zu können. Er kann frei, gerecht und tapfer sein, ohne daß er oder andere zu leiden haben.“
Bertolt Brecht, „Me-ti/Buch der Wendungen“, entstanden im Exil der 1930 Jahre.
Es sei bedacht: Auch Aristophanes (450-380 v.u.Z.) mit seinen Friedenswerken „Lysistrata“ und „Frieden“ ist wie Aristoteles (384-322 v.u.Z.) ein Philosoph oder literarischer Autor des antiken Griechenland in seiner „Blütezeit“ (5. Jahrh. v.u.Z. - ca. 86 v.u.Z.). Mit Humor und Eindeutigkeit für den Frieden gehört er zu den stärkenden Quellen der demokratischen Zivilisierung des gesellschaftlichen Lebens. Wer lacht, hat keine Angst vor dem Kriegsgott.
Außerdem werden von interessierter Seite (Papperger kauft betriebsgehörige Aktien) historische Erfahrungen, Errungenschaften und Ansprüche aufgeblendet, negiert oder verdreht: Zwei Weltkriege warnen vor militärischer Eskalation. UNO, Menschenrechte und Grundgesetz normieren den Friedensvorrang für eine zivile, demokratische und soziale Entwicklung. Abrüstungsverhandlungen und entsprechende Verträge sind zwischenzeitlich gelungen. Die Friedensbewegung in der Bundesrepublik existiert seit dem „Neubeginn“ nach 1945 (gegen die Wiederbewaffnung und die atomare Bewaffnung). Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ist ausdrücklicher Teil des Grundgesetzes.
Die „Kriegstüchtigkeit“ war von Anfang an engagiert bestritten und ist es in wachsendem Ausmaß auch heute. Frieden war, ist und bleibt der eigentliche „Ernstfall“.
So ist auch nachgewiesenermaßen der Ausbau des zivilen öffentlichen Sektors (Bildung, Gesundheit, Kultur und Infrastruktur) nicht nur sinnvoller und humaner, sondern ebenso gesamtökonomisch vorteilhafter und schafft auch mehr Arbeitsplätze als die unheilvoll wachsende Rüstungsindustrie.
Da sollte sich niemand als „Lumpenpazifist“ oder als naiver Weichling beschimpfen lassen. Die Wahrnehmung des Allgemeinwohls – geistig, praktisch und gemeinsam - ist ein wirksames Kontra zu den primitiven Einreden von Bellizisten und Bellizistinnen verschiedenster Couleur.
Dies hat eine negative Geschichte, gleichwohl aber auch, daß sich Engagierte dadurch nicht haben beirren lassen.
Das gilt gleichfalls für die Hochschulen, die Wissenschaften bzw. für ihre Mitglieder und Akteure.
Das zivile Leben sei gewaltlos. Aufklärung und Wahrheitsfindung gelingen nicht primitiv, herrschaftskonform und lediglich ruhmsüchtig, sondern erkenntnisbildend, orientierend und mit selbstbewußten Persönlichkeiten in gesellschaftlicher Verantwortung und kooperativ handelnd.
Der Sinn des Lebens hat noch nie im Strammstehen bestanden. Allein der Tanz ist schon menschlicher. Wenn das auf die Verhältnisse ausgreift, ist schon viel gewonnen. Auch Musik hat eine Richtung. Taktvoll.