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Gutmenschen gegen das Schlechtreden

Zu neuem Selbstbewußtsein

Auf richtiger Fahrt
„Ich nehme jedenfalls wahr, dass inzwischen auf Veranstaltungen von konservativer oder auch rechter Seite mit einer Breitbeinigkeit agiert wird, bei der ich mich frage: Gibt es überhaupt noch etwas, was euch erschüttert oder euch infrage stellt? (…) Mit der revolutionären Idee der Gleichheit aller Menschen sind wir nämlich ziemlich weit gekommen. Das könnte doch auch für die Zukunft etwas bedeuten.“
Die Autorin Anne Rabe im Interview mit „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung („FAS“), 10.8.´25, S. 41.

Kritisches Feuilleton
„Der klassische Sklave muss nicht >kreativ< sein, sondern treu, der Leibeigene wird für die Sesshaftigkeit belohnt, der dienende Fabrikmensch soll dagegen mobil sein, wenn seine Branche den Standort wechselt. Der Nachfahr solcher Leute in der nahen Zukunft wird in seinem Lebenslauf schon vor Eintritt ins Arbeitsverhältnis von einem Sreening-Werkzeug durchkämmen lassen müssen, das ihn dann an ein Matching-System weiterreicht oder an ein Chatbot-Einstellungsgespräch. Ermittelt werden dabei Dispositionen wie >Teamfähigkeit< (also Anpassungsbereitschaft) oder >digitale Empathie< beim >hybriden Arbeiten< (denk dich in die Leute und Systeme hinein, mit denen du über Orts- und Zeitdifferenzen hinweg verschaltet bist). Was du nicht kannst, musst du schnell lernen.“ [!]
Dietmar Dath, „Arbeite überfordert!“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“), 11.8.´25, S. 9.

Berechtigtes Mißtrauen
„Der Mann Gottes spricht dem Volke von einem Lande, da Milch und Honig innen fließt, und das Volk soll sich nicht darnach sehnen? Und soll über den Mann Gottes nicht murren, wenn er sie, anstatt in dieses Gelobte Land, in dürre Wüsten führt?“
Gotthold Ephraim Lessing, „Ernst und Falk/ Viertes Gespräch“, 1780.

Die Figur kann verschiedenen Bereichen der Gesellschaft angehören: als Mann Gottes, der Wirtschaft, der Regierung, der Medien, der Kultur, der Werbung, der Familie oder der Nachbarschaft. Die Versprechungen ähneln sich bei einer gegenläufigen Praxis bzw. eigentlichen Absicht.

Milch und Honig können kaum fließen, wenn Kriege geführt, aufgerüstet wird, wenn also die zivilen Bedingungen des (internationalen) Lebens empfindlich eingeschränkt werden und die Mehrzahl der Menschen darunter leidet, ohne wirklich leiden zu müssen.

Wenn die „Breitbeinigkeit“, mit der das Nationale, das Kriegerische, die Kapitalbegünstigung, der Raubbau an Natur und Mensch vertreten wird, die Primitivität in Wort und Bild, dabei der Verzicht auf Angemessenes, die Beschimpfung der strukturell sozial Benachteiligten zur schlechten Gewohnheit werden soll, ist nichts zu ertragen.

Dagegen ist jegliches „Gutmenschentum“ berechtigt und erforderlich. Auch zu diesen besseren Zwecken läßt sich aus der Menschheitsgeschichte, gegenwärtigen Ansprüchen, Forderungen und entsprechenden Aktivitäten schöpfen.

Noch nie wurde der Anspruch auf Frieden, Gewaltlosigkeit und zivile Entwicklung aufgegeben.

Die Menschenwürde war, ist und bleibt ein Leitmaßstab der der gesellschaftlichen Entwicklung, des sozialen Zusammenhangs und der kooperativen persönlichen Entwicklung.

Sie steht am Anfang der Grundrechte des Grundgesetzes und ist eine Herausforderung demokratischen Bewußtseins und Handelns.

Die (positive) Freiheit von Wissenschaft und Kunst – zwei kreative Disziplinen – ist in diesen normativen Kontext eingeordnet.

Somit besteht in den Hochschulen die Herausforderung, dieses schöpferische Wirken einflußreich auf die Verwirklichung menschenwürdiger Bedingungen und Möglichkeiten zu entwickeln und zu richten. In diesem praktischen Sinne können und sollten Forschung, Lehre und Bildung ein hilfreicher Teil der Friedensbewegung sein. Gegen das Schlechtreden, mit neuem Selbstbewußtsein.

Guttun tut gut.