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Besser ist Besser

Wider die Anspruchslosigkeit

Behauptung und Wahrheit
„Friedrich Merz hat ein Anliegen: >Wir müssen in diesem Land wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten<, das sagte der Bundeskanzler gleich in seiner ersten Regierungserklärung. Seitdem haben er und Parteifreunde diesen Gedanken in Varianten häufig wiederholt, immer mit dem Tenor: Weniger Vier-Tage-Woche bitte, mehr Zehn-Stunden-Tage. Hört man dem Bundeskanzler und anderen CDU-Politikern zu, könnte man auf die Idee kommen, das ganze Land liege in der Hängematte und warte nur darauf, dass die mal jemand umdreht. Doch so ist es natürlich nicht, das bestätigen die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Viereinhalb Millionen Menschen in Deutschland machen regelmäßig Überstunden, immerhin 15 Prozent davon mehr als 15 Überstunden pro Woche. Und während die meisten diese Zeit über ein Arbeitszeitkonto irgendwann wiederbekommen oder zumindest bezahlt bekommen, schenkte jede fünfte Person, die 2024 Überstunden machte, diese Zeit einfach dem Arbeitgeber.“
Theresa Martus, „Deutschland und die Arbeitszeit: Von wegen Hängematte“, „Hamburger Abendblatt“, 24.7.´25.

Positives Kontra
„Das Eros der Kultur, die Lust an Fantasie, ist ein Antidot [Gegengift] gegen die Verbindung von Neopuritanismus und faschistischem Stumpfsinn. Es gibt was Besseres. Es gibt was Schöneres. Es gibt was Ehrlicheres. Aber, ich sag, wie es ist: Kulturkampf ist nichts für Feiglinge. Daher noch etwas von Gramsci: >Wenn dir ein Feind schaden zufügt und du dich darüber beklagst, dann bist du dumm, denn es war genau die Absicht deines Feindes, dir Schade zuzufügen.<“
Georg Seeßlen, „Ein Antidot im Kulturkampf: der Eros der Kultur“, „der Freitag“, Nr. 30/24.7.´25, S. 20.

Ehrenwert
„Bestimmte Zustände gesellschaftlicher Art machen z.B. Kriege nötig. In diesen Zeiten erwerben sich manche den Titel der Güte, indem sie gegen die Kriege predigen.“
Bertolt Brecht, „Me-ti, Buch der Wendungen“, „Güte“, entstanden im Exil der 1930 Jahre.

Da ist wahrlich nichts zu verschenken, im Gegenteil: Überstunden sind zu bezahlen. Darüber hinaus ist eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich möglich und erforderlich.

Mehr Arbeit für mehr – qualifizierte und angemessen bezahlte – Personen, also weniger Arbeit für Alle, aber mehr Leute in Arbeit, ist in den zivilen öffentlichen Bereichen der Gesundheit, der Bildung, der Kultur erforderlich.

Auch sollte der Sozialstaat, die Daseinsvorsorge, wieder seinem Namen gerecht werden.

Auf jeden Fall sind die geplanten Aufrüstungen in hundertfacher Milliardenhöhe einschränkend, unsinnig und schädlich. Der Verzicht auf das Falsche schafft Möglichkeiten für die bedarfsgerechte Sanierung und Entwicklung der öffentlichen Infrastruktur (z.B. Verkehrswege, Bauten und öffentlicher Nah- und Fernverkehr).

Alles in Allem ist die sinnliche Anziehung (s.o.) für ein besseres, sinnvolles und menschenwürdiges gesellschaftliches, zwischenmenschliches und persönliches Leben zu erhöhen.

Die Schönheit der rationalen Erwartungen sollte dabei nicht fehlen.

Sie ergibt sich aus den begründeten Erwartungen für positive Veränderungen, aber ebenso aus der humorvollen Kritik der Suggestionen, die auf kläglichen Verzicht gerichtet sind. So ist es beispielsweise noch immer nicht „süß und ehrenvoll“ für das „Vaterland“ zu sterben. Auch eine entsprechende Unzufriedenheit mit den Status Quo hat seine Berechtigung. Ebenso kann das Prinzip von Befehl und Gehorsam getrost als undemokratisch bezeichnet werden.

Die Hochschulen, die Wissenschaften, ihre Akteure sollte an erster Stelle dem Frieden verpflichtet sein und diese Ambition auch selbstbewußt zum Ausdruck bringen. Dieser generelle und konkrete Anspruch kann und sollte gleichfalls von anderen gesellschaftlichen Bereichen aus wirkungsvoll zum Ausdruck kommen. So ist der Destruktivität die Produktivität entgegengesetzt.

Schon Heinrich Heine wußte:

Erleuchtung.

Michel! fallen dir die Schuppen
Von den Augen? Merkst du itzt,
Daß man dir die beßten Suppen
Vor dem Maule wegstibitzt?

Als Ersatz ward dir versprochen
Reinverklärte Himmelsfreud’
Droben, wo die Engel kochen
Ohne Fleisch die Seligkeit!

Michel! Wird dein Glaube schwächer
Oder stärker dein App’tit?
Du ergreifst den Lebensbecher
Und du singst ein Heidenlied!

Michel! fürchte nichts und labe
Schon hienieden deinen Wanst,
Später liegen wir im Grabe,
Wo du still verdauen kannst.“

Heinrich Heine, 1844.