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„Zum Geleit“
„Hier also liegt das Problem, nackt, furchtbar und unausweichlich: Werden wir dem Menschengeschlecht den Untergang bereiten, oder wird die Menschheit auf Krieg verzichten?‘ Man mag der Frage nicht nähertreten, weil den Krieg abzuschaffen so schwierig sei. (… )
Vor uns liegt, wenn wir richtig wählen, eine beständige Ausweitung von Glück, Wissen und Weisheit. Sollen wir stattdessen den Tod wählen, bloß weil wir unsere Streitereien nicht vergessen können? Wir wenden uns als Menschen an unsere Mitmenschen: Erinnert Euch Eures Menschseins und vergeßt alles andere!“
(Aus dem „Russell-Einstein-Manifest“ von 1955.)
Inhalt
Zum Geleit CLXXX - Zur Sitzung des AS am 16. Januar 2025
Sinnverse 2024/25
Zum Geleit CLXXXI - Zur Sitzung des AS am 10. April 2025
Neu von Bedeutung - Fragen eines überzeugten Zivilisten
Zum Geleit CLXXXII - Zur Sitzung des AS am 8. Mai 2025
Menschliches Leben
Zum Geleit CLXXXIII - Zur Sitzung des AS am 5. Juni 2025
Zum 150. Geburtstag eines Humanisten
Zum Geleit CLXXXIV - Zur Sitzung des AS am 3. Juli 2025
Zu den Grundsätzen
Zum Geleit CLXXXV - Zur Sitzung des AS am 16. Oktober 2025
Universelle Aufgabe
Zum Geleit CLXXXVI - Zur Sitzung des AS am 13. November 2025
Lebendige Geschichte
Zum Geleit CLXXXVII - Zur Sitzung des AS am 11. Dezember 2025
Furchtlos
Die Kandidat:innen des BAE!,
Liste 1 für die Wahl zum Akademischen Senat
Wahl zum Akademischen Senat
Was ist der Akademische Senat (AS)?
Wie werden die Mitglieder des AS gewählt?
Editorial
Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
Befreiung von jeder Gewalt und weltweit ungeteilte Humanität – dies sind die Herausforderungen an die Vernunft, an Wissenschaft, Bildung und Künste, an so gut wie Alle.
Das „Russell-Einstein-Manifest“ (siehe Cover) ist eine vorbildliche Friedensinitiative aus dem Jahre 1955. Es basierte auf einer Verständigung zwischen dem Philosophen Bertrand Russell und dem Physiker Albert Einstein
und wurde von Wissenschaftlern verschiedener Herkunft und gegensätzlicher „Systeme“ unterzeichnet (P.W. Bringmann, L. Infeld, F. Joliot-Curie, H.J. Muller, L. Pauling, C.F. Powell, J. Rotblat, B. Russen und H. Yukawa). Zahlreiche internationale Wissenschaftskooperationen und Abrüstungsverträge, die heutzutage unter Druck gesetzt werden, folgen diesem Beispiel. Wissenschaft hat Verantwortung für eine gelingende Zukunft. Verstandesmäßig ist nicht zu widerlegen, dass die Gegenwartsprobleme der Menschheit nur in Solidarität und kritischer Praxis zu lösen sind.
So ist die menschenwürdige Gestaltung der Verhältnisse in Nah und Fern eine erkenntnisgeleitete Angelegenheit der tatsächlichen Mehrheit. Das erfordert an den Universitäten nicht nur kluge Produktivität, sondern auch eine Gegenbewegung zu politischem Schrumpfdenken. Von welchem Problem unserer Zeit ist ernsthaft anzunehmen, dass es mit Wehrdienst und Aufrüstung zu lösen wäre? Welche „Werte“ und Lebensweise könnten einen globalen Dominanzanspruch begründen und sich nicht als (gewaltsam ausgeübtes) Vorurteil erweisen?
Ein Schlaglicht kann beleuchten, wie alltägliche Bedrängnisse Teil dieser Menschheitsfrage sind: Für einen neuen Leopard II-Panzer – die Bundesregierung hat über 100 bestellt – kassiert die Waffenschmiede „Rheinmetall“ zwischen 20 und 30 Millionen Euro. Pro Stück ließen sich davon zwei bis drei neue Studierendenwohnheime bauen.
Die wachsende universitäre Solidarität gegen die Unterfinanzierung von Bildung und Wissenschaft drückt bereits einen humanistischen Erkenntnis und Gestaltungswillen aus, der noch viel (selbst-)bewusster entfaltet werden kann!
Dafür bedarf es universitätsweiter Diskussionen, Initiativen und Entscheidungen.
Der Akademische Senat (AS) ist als gesamtuniversitäres Gremium ein dafür bestimmter Ort. Hier treffen Studierende, Mitarbeiter:innen, Professor:innen und Präsidium zusammen. Die Hochschulöffentlichkeit kann teilnehmen und hat Einfluss.
Damit das eine allseits förderliche Veranstaltung wird, bedarf es unserer kritischen Initiative für einen realistischen Weltbezug, soziale Verantwortung, eine egalitäre Kultur und Geschichtsbewusstsein.
Wir setzen darauf, dass alle sich die Quellen erschließen, die die menschliche Fähigkeit speisen, sich aus unzumutbaren Bedingungen zu erheben und die Gesellschaft zum Wohle der Vielen zu verändern. Erkennen ist handeln! Und umgekehrt.
Dafür veröffentlichen wir vor jeder Sitzung des Akademischen Senats (AS) die Reflexion „Zum Geleit“. In dieser Broschüre sind die „Geleite“ aus dem Jahr 2025 zusammengefasst und kurz auf die Kontroversen der AS-Sitzungen bezogen, für die sie geschrieben wurden.
Wir wünschen anregende Lektüre!
junge sozialist:innen & fachschaftsaktive,
Liste LINKS,
SDS*
sowie zahlreiche Freunde
Zusammen das
Bündnis für Aufklärung und Emanzipation! (BAE!)
Zum Geleit CLXXX
Das Jahr beginnt mit scharfen Gegensätzen: Die Amtseinführung von Präsident Trump gemahnt, dass der weltweite Widerstand aus seiner ersten Regierungszeit ausgebaut werden muss. Zugleich ist ein Schimmer Hoffnung: Waffenstillstand für Gaza? Wir beginnen das Jahr mit Aktivitäten Studierende und Mitarbeiter aller Fakultäten und Uni-Einrichtungen zu ermuntern, sich für eine positive Wende der Zivilisationskrise zu engagieren und mit uns zu engagieren:
Hauptgebäude
▶ Frei nach Kästner
Die Universität ist gut,
im Falle sie auch Gutes tut.
Erziehungswissenschaft
▶ Wir
Das Lernen mit Methode ist
zu wissen, wer Du wirklich bist.
Wirtschaftswissenschaften
▶ Lichtblick
Allgemeinwohl ist zu sehen,
soll Elend wirklich vergehen.
Rechtswissenschaften
▶ Fundamental
Das Recht als Stärke angewandt,
läßt sinnvoll handeln mit Verstand.
Mathematik / Informatik / Naturwissenschaften
▶ Zusammenhang
Sozial sei Natur Ergründung,
in Folge sinnvolle Findung.
Philturm
▶ Worte
Solidarität heißt immer,
Welt ist größer als ein Zimmer.
Theologie
▶ In der Tat
Die Ethik steht meist weit oben,
dabei Irdisches wir loben.
Medizin
▶ Im Leben
Die Wirklichkeit ist der Bezug,
zu bessern, ändern wirklich klug.
Bewegungswissenschaften
▶ Ausdruck
Bedacht Bewegung mache Sinn,
lernend auf Seinesgleichen hin.
West-Flügel / Kunstgeschichte, Ethnologie, Archäologie
▶ Aufrichten
Oben/Unten nicht ertragen,
läßt Gerechtigkeit wohl wagen.
Musikwissenschaften
▶ Bewegung
Singen, Spielen, Musizieren
hebt den Mensch von allen Vieren.
Pferdestall / Sozialwissenschaften
▶ Kontroverse
In Wachheit und Demokratie –
sagt zu Gewalt und Kriegen: Nie!
HWP / Sozialökonomie
▶ Konsequente Erinnerung
Menschlich sein meint Anspruch haben,
und nicht, nach der Möhre traben.
Ost-Flügel / Asien-Afrika-Institut
▶ Freundschaft
Wenn and’re Häßlichkeit begeh’n,
Woll’n wir die Menschlichkeit versteh’n.
Zum Geleit CLXXXI
Die Zeiten sind herausfordernd. Es ist nicht zielführend, dass der AS gleich zwei Monate Pause gemacht hat. Derweil wurde der Bundestag und die Hamburgische Bürgerschaft neu gewählt. Die USA verschärfen auf jeder Ebene (Wirtschaft, Wissenschaft, Militär, Migration) die Konfrontation mit den Ländern des globalen Südens und Europas. Der Bundestag beschließt die Aufhebung der „Schuldenbremse“ – aber nicht für Soziales, Bildung und Gesundheit, sondern für Aufrüstung! Das sei „Verantwortung für Deutschland.“ Furchtsame Zurückhaltung hilft da nicht. Vieles ist in Frage zu stellen…
Neu von Bedeutung
Fragen eines überzeugten Zivilisten
Wer erklärt uns den Sinn des Sterbens?
Warum sei das Militär eine reizvolle Angelegenheit?
Was ist, wenn der Feind besiegt ist?
Ist er zu besiegen?
Gehören Haßgedichte in den Kanon der hoch geschätzten Weltliteratur?
Sind die Wissenschaften für die Zerstörung da?
Haben Krankenhäuser die Funktion von Kriegslazaretten?
Wer gebietet die Vergeudung von Kräften?
Antwort: Niemand muß damit übereinstimmen!
Zum Geleit CLXXXII
Achtzig Jahre Befreiung Europas von Faschismus und Krieg! Sie mündete in die Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Solidarität begegnen.“ Die Wissenschaften müssen sich wesentlich damit befassen, wie die globale Wirklichkeit mit diesem Anspruch zu verändern ist.
Kontrahent zu dieser Auffassung vertreten sowohl Teile des Präsidiums als auch der AS-Mitglieder die Auffassung, das Erinnern diene im Wesentlichen dazu, mit „unserer Demokratie“ so wie sie ist, einverstanden zu sein. Mit etwas Digitalität (neues „Leitbild Lehre“) sei man dann schon auf der Höhe der Zeit.
Aber wie ist es wirklich?
Menschliches Leben
„Das Gedicht ist eine lebhafte bildliche Darstellung der Handlung und Empfindung.“ (288)
Georg Christoph Lichtenberg, „Sudelbücher“, Heft L, 1796–1799.
1) Erinnern
Einzulösen
Die Geschichte ist
nicht tot, sondern zu wissen –
ein Fundus á jour.
2) Beim Wort genommen
Demokratie
Alle für Alles:
ein Überzeugungsprozeß –
folglich Besserung.
3) Lehren und Lernen
Bildung
Einheit in Aktion:
Bildung greift zurück, hebt auf
Erreichtes mit Sinn.
4) Analyse
Wetterfest
Die Mündigkeit hat
ihren Ursprung im Wissen
zum Wenden der Not.
5) Geschwister
Unzertrennbar
Freiheit und Gleichheit
fordern einander, wenn, dann:
in guter Einheit.
Zum Geleit CLXXXIII
Die neuen Regierungen verschärfen die Militarisierung – die Aussicht auf eine auskömmliche, bedarsgerechte Hochschulfinanzierung schwindet damit für alle, die dieser Tendenz nicht entscheiden entgegentreten wollen. Um diese Notwendigkeit dreht sich der Disput. Es ist offenkundig, dass der verschärften internationalen Konkurrenz auch eine unerträgliche Konkurrenzverschärfung im Alltag folgt. Wir argumentieren für eine solidarische Opposition:
Zum 150. Geburtstag eines Humanisten
0) Ad personam:
„Thomas Mann [6. Juni 1875-12. August 1955], das ist der gute Deutsche. Er ist Antifaschist geworden, er hat eine unglaubliche politische Entwicklung durchgemacht, in ständiger Auseinandersetzung mit seiner Umgebung, mit deutschsprachiger Kultur, mit der Tradition – in einer Tiefe, wie das wenige seiner Zeit gemacht haben.“
Interview („Der brasilianische Mann aus Lübeck“) mit der Germanistin Veronika Fuechtner (Dartmouth College New Hampshire), „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), 1.6.´25, S. 41.
1) Vorkriegswarnung
„Was gab es denn? Was lag in der Luft? - Zanksucht, Kriselnde Gereiztheit. Namenlose Ungeduld. Eine allgemeine Neigung zu giftigem Wortwechsel, zum Wutausbruch, ja zum Handgemenge. Erbitterter Streit, zügelloses Hin- und Hergeschrei entsprang aller Tage zwischen einzelnen und ganzen Gruppen, und das Kennzeichen war, daß alle Nichtbeteiligten, statt von dem Zustande der gerade Ergriffenen abgestoßen zu sein oder sich ins Mittel zu legen, vielmehr sympathetischen Anteil daran nahmen und sich dem Taumel innerlich ebenfalls überließen. Man erblaßte und bebte. Die Augen blitzten ausfällig, die Münder verbogen sich leidenschaftlich. Man beneidete die eben Aktiven um das Recht, den Anlaß, zu schreien. Eine zerrende Lust, es ihnen gleichzutun, peinigte Seele und Leib, und wer nicht Kraft zur Flucht in die Einsamkeit besaß, wurde unmittelbar in den Strudel gezogen.“
Thomas Mann, „Der Zauberberg“ (1924, erzählte Zeit 1907-1914 bis zum Ersten Weltkrieg), „Die große Gereiztheit“, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1987, S. 904f.
Zur Entscheidung
Die Warnung lehrt uns,
bessere Wahl zu treffen:
Dienst am Frieden tun.
2) Nur mit Vernunft
„Wenn ich aber eine Überzeugung, eine religio mein eigen nenne, so ist es die, daß es nie eine Stufe gegeben hat, auf der der Mensch noch nicht Geist, sondern nur Natur war. Die modische Tendenz, ihn auf eine solche Stufe >zurückzuführen<, die Ideenverhöhnung der Zeit ist mir in tiefster Seele zuwider.“
Thomas Mann, [„Fragment über das Religiöse“], 1931 (!).
Wesentlich
Wenn alles fraglich
sein soll, was wirklich wahr ist,
ist Kontra gefragt.
Zum Geleit CLXXXIV
Infolge der Diskussionen im Frühjahr beschließt nun der Akademische Senat eine entschieden kritische Stellungnahme an die Bürgerschaft und den politischen Senat, um die strukturelle Unterfinanzierung der Universität zu verdeutlichen. Das Präsidium ist ermutigt, diese Kritik aufzugreifen. Der Akademische Senat – und die Universität in Gänze – müssen sich aber verstärkt dessen annehmen, die zivilisatorische Bedeutung von Bildung und Wissenschaft, die gewachsenen Aufgaben und das konkrete aufklärerische Engagement in der Auseinandersetzung zu betonen bzw. all dies auszubauen. Mit rationaler Ambition die Wohlfahrt zu mehren, macht alles mehr Freude – Opposition, die überzeugt:
Zu den Grundsätzen
„Das ist unser Manifest
Wir werden nie mehr antreten auf einen Pfiff hin und Jawohl sagen auf ein Gebrüll. Die Kanonen und die Feldwebel brüllen nicht mehr. Wir werden weinen, scheißen und singen, wann wir wollen. Aber das Lied von den brausenden Panzern und das Lied vom Edelweiß werden wir niemals mehr singen. Denn die Panzer und die Feldwebel brausen nicht mehr und das Edelweiß , das ist verrottet unter dem blutigen Singsang. Und kein General sagt mehr Du zu uns vor der Schlacht. Vor der furchtbaren Schlacht.“
Wolfgang Borchert, "Das ist unser Manifest", Juli 1947
Gestern, Heute und Morgen
Das Nie Wieder! Beinhaltet
Wehret den Anfängen!,
Frieden, Freude, Menschlichkeit,
dem rohen Unsinn heftig zuwider,
von Vielen für Alles,
alles in allem vernünftig:
In der Tat.
Zum Geleit CLXXXV
Ein tiefes, großes Sommerloch des Akademischen Senats – aber die Welt steht nicht still. Israel und die USA bombardieren verschiedene Länder; auch zwischen den Atommächten Pakistan und Indien eskaliert ein Konflikt neu mit gefährlicher militärischer Brutalität. Die Regierenden in Hamburg und Berlin erschöpfen alle im Wesentlichen damit, die Gegenwart für alternativlos zu erklären. Aber nahezu alle außerhalb dieser Blasen spüren: es wird nicht so bleiben. Konsequent für die zivile Überwindung der Ungleichheit im Kleinen wie im Großen einzutreten, dafür zu lernen, zu forschen und engagiert zu sein, ist eine persönliche Notwendigkeit. Im AS ist dies – unzureichend, aber zunehmend – zur Geltung gebracht, indem sich mit den Geboten des Verzichts nicht mehr abgefunden wird. Man ermutigt sich gegenseitig zu Protest und beschließt, die Wissenschaftssenatorin im Winter in den AS einzuladen, um mit ihr zu diskutieren.
Universelle Aufgabe
Mit Musik
„Ein Mensch ist ein gesellschaftliches Produkt. Es stößt und treibt ihn immer zum Gesellschaftlichen. Geben wir acht, daß die gesellschaftlichen Ziele die richtigen und daß der Drang zum Allgemeinen, Breiten, Verpflichtenden in die richtige Richtung gelenkt wird.“
Hanns Eisler (Komponist) im Gespräch mit Hans Bunge (Dramaturg, Regisseur und Autor), „Fragen Sie mehr über Brecht“, Vierzehntes Gespräch am 26.8.1962, Darmstadt und Neuwied 1986, S. 294.
1) Der Mensch ist nicht allein. Das Gute läßt sich vervielfachen.
2) Die Geschichte ist nicht beendet. Sie sollte weitergedacht und -gemacht werden.
3) Der humane Fundus ist reichhaltig. Diese Tendenz ist zu verwirklichen.
4) Wer lacht, hat keine Angst vor dem Teufel.
Zum Geleit CLXXXVI
Die Universität hat zu Beginn des Monats – auch mit Aufrufen des Akademischen Senats – mit Veranstaltungen an ihre Wiedereröffnung nach Krieg und Faschismus erinnert und sich am Gedenken an die Reichspogromnacht
beteiligt. Es ist nun aber die Frage, welche Konsequenzen aus der Geschichte zu ziehen sind, wenn die „Erinnerung“ nicht allein der moralischen Vergewisserung, nun zu den Guten zu gehören, dienen soll. Die Frage ist vielen im Präsidium und Akademischen Senat zu heikel. Wir werfen sie dennoch auf und haben Antworten:
Lebendige Geschichte
Die Gefahr
„Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es von uns ab und stellen uns fremd.“
Christa Wolf, „Kindheitsmuster“, 1976.
1) Jedoch
Erkennen
Die Gegenwart ist
älter als das Heute, zeigt
Uneingelöstes.
2) Aufgegriffen
Neu
Kritischer Akzent
wider das Gang & Gäbe
wagt Verbesserung.
3) Hand in Hand
Konsequenz
Wache Position
findet jäh Verbündete,
echte Hoffnung wächst.
4) Tatsache
Froh
Erhelltes Handeln
hebt alltägliche Kultur:
Wehe weicht dem Wohl.
Zum Geleit CLXXXVII
Die Sitzung steht ganz im Lichte der Kontroverse zwischen Universität und politischem Senat um unverzichtbare Aufgaben und hinreichende Finanzierung. Nicht nur die Wissenschaftssenatorin, Maryam Blumenthal, sondern auch sehr viele Protestierende und zuweilen kritisch amüsierte Hochschulöffentlichkeit nehmen an der Sitzung teil. Man hat Vorstellungen davon, wie es wirklich besser werden kann und sollte. Die Senatorin redet viel, nimmt keine Argumente auf und kann nicht überzeugen. Der Unmut und die Bereitschaft zur Aufklärung und kritischen Aktion wachsen erfreulich.
Furchtlos
Die Möglichkeit als Wirklichkeit
„Das oben Angedeutete gilt bloß von Berlins äußerlicher Erscheinung, und wollte man in dieser Beziehung München damit vergleichen, so könnte man mit Recht behaupten: letzteres bilde ganz den Gegensatz von Berlin. München nämlich ist eine Stadt, gebaut von dem Volke selbst, und zwar von aufeinanderfolgenden Generationen, deren Geist noch immer in ihren Bauwerken sichtbar, so daß man dort, wie in der Hexenszene des Macbeth, eine chronologische Geisterreihe erblickt, von dem dunkelrohen Geiste des Mittelalters, der geharnischt aus gotischen Kirchenpforten hervortritt, bis auf den gebildet lichten Geist unserer eignen Zeit, der uns einen Spiegel entgegenhält, worin jeder sich selbst mit Vergnügen anschaut. In dieser Reihenfolge liegt eben das Versöhnende; das Barbarische empört uns nicht mehr und das Abgeschmackte verletzt uns nicht mehr, wenn wir es als Anfänge und notwendige Übergänge betrachten. Wir sind ernst, aber nicht unmutig bei dem Anblick jenes barbarischen Doms, der sich noch immer, in stiefelknechtlicher Gestalt, über die ganze Stadt erhebt und die Schatten und Gespenster des Mittelalters in seinem Schoße verbirgt. Mit ebensowenig Unmut, ja sogar mit spaßhafter Rührung, betrachten wir die haarbeuteligen Schlösser der späteren Periode, die plump deutschen Nachäffungen der glatt französischen Unnatur, die Prachtgebäude der Abgeschmacktheit, toll schnörkelhaft von außen, von innen noch putziger dekoriert mit schreiend bunten Allegorien, vergoldeten Arabesken, Stukkaturen und jenen Schildereien, worauf die seligen hohen Herrschaften abkonterfeit sind: die Kavaliere mit roten, betrunken nüchternen Gesichtern, worüber die Allongeperücken, wie gepuderte Löwenmähnen, herabhängen, die Damen mit steifem Toupet, stählernem Korsett, das ihr Herz zusammenschnürte, und ungeheurem Reifrock, der ihnen desto mehr prosaische Ausdehnung gewährte. Wie gesagt, dieser Anblick verstimmt uns nicht, er trägt vielmehr dazu bei, uns die Gegenwart und ihren lichten Wert recht lebhaft fühlen zu lassen, und wenn wir die neuen Werke betrachten, die sich neben den alten erheben, so ist’s, als würde uns eine schwere Perücke vom Haupte genommen und das Herz befreit von stählerner Fessel. Ich spreche hier von den heiteren Kunsttempeln und edlen Palästen, die in kühner Fülle hervorblühen aus dem Geiste Klenzes [1784-1864, Architekt, Maler, Schriftsteller] , des großen Meisters.“
Heinrich Heine, Reisebilder - Reise von München nach Genua - Kapitel 2, 1828.
Vergleichend entscheiden
Sehend erkennen:
Nützlich oder schädlich ist
klar unvereinbar.
Richtigerseits ist:
Die Bedeutung ermessen
des Allgemeinwohls.
Die Tatsachen sind:
Überzeugte Menschen mit
Humor und Elan.
Wahl zum Akademischen Senat
Was ist der Akademische Senat (AS)?
Der AS ist das höchste wählbare Gremium der Universität. Er wählt u.a. den Uni-Präsidenten, diskutiert alle Grundsatzfragen der Uni-Entwicklung und hat Beschlussrechte (z.B. in Bezug auf die Prüfungsordnung, Mittelverteilung, Leitbilder.) Er kann zudem in Angelegenheiten, die die gesamte Hochschule berühren, Auskunft verlangen und Empfehlungen aussprechen, z.B. zu Kontroversen um Wissenschaftsfreiheit, gesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaften, Hochschulfinanzierung oder Bau-Fragen. Der AS tagt einmal im Monat hochschulöffentlich. Er ist zusammengesetzt aus 10 Professor:innen, 3 Studierenden, 3 wissenschaftlichen Mitarbeiter: innen und 3 Mitgliedern des Technischen-, Verwaltungs- und Bibliothekspersonals. Die studentischen Vertreter:innen werden jährlich gewählt, die anderen alle zwei Jahre.
Wie werden die Mitglieder des AS gewählt?
Jede Mitgliedergruppe der Universität (Professor:innen, Studierende, wissenschaftliche Mitarbeiter:innen, TVBP) wählt jeweils ihre Vertreter:innen. Die Wahl findet erstmals digital statt, ab dem 12.1. bis zum 30.1.2026 könnt ihr online wählen. Kurz vorher erhaltet ihr an Eure Uni-Mailadresse (vorname.nachname@studium.uni-hamburg.de) von dem Absender voting@polyas.com den Link zum Wahlportal und die erforderlichen Login-Daten zugesendet.