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Reichtum schadet

Umverteilung und Bildung sind nützlich

Tiefe Kluft
„›In vier Sekunden verdient Elon Musk, der reichste Mann der Welt, so viel wie ein Mensch im weltweiten Durchschnitt in einem Jahr.‹ Mit diesem Beispiel weist die Entwicklungsorganisation Oxfam auf die globale Einkommens- und Vermögensungleichheit hin. Sie veröffentlicht seit 2014 jedes Jahr zum Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos eine Bilanz von Arm und Reich: 2025 breche alle bisherigen Rekorde. Es gab erstmalig mehr als 3000 Milliardäre auf der Welt, deren Gesamtvermögen sich Ende November 2025 auf den Rekordwert von 18,3 Billionen Dollar belief, 2,5 Billionen mehr als noch ein Jahr zuvor, heißt es im Bericht. Allein dieser Anstieg entspreche fast dem gesamten Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung, also von mehr als vier Milliarden Menschen. (…)
Auch in Deutschland sei die Zahl der Milliardäre vergangenes Jahr um ein Drittel auf 172 gestiegen, womit Deutschland die viertmeisten Milliardäre auf der Welt habe. Das Gesamtvermögen aller deutschen Superreichen stieg 2025 inflationsbereinigt um 30 Prozent auf 840,2 Milliarden Dollar. Gleichzeitig lebe etwa ein Fünftel der Menschen in Deutschland in Armut, heißt es von Oxfam.“

Sebastian Balzter, „Oxfam meldet so viele Milliardäre wie noch nie“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“), 19.1.2026, S. 17

Irrweg
„Inzwischen ist das Wissen über die Schäden, die Smartphones und soziale Medien im Gehirn junger Menschen hinterlassen können, so erdrückend, dass sich eigentlich nur eine Frage stellt: Warum hat die Politik nicht schon längst darauf reagiert? In den Vereinigten Staaten ist die Suizidrate von Teenagern in den Jahren von 2010 bis 2019 deutlich gestiegen. Die Zahlen sind in Europa nicht so dramatisch, aber auch hier hat die psychische Gesundheit – vor allem von Mädchen im Teenageralter – seit dem Jahr 2010 deutlich gelitten. Die Pisa-Bildungsstudie aus dem Jahr 2022 offenbarte einen Rückgang der Lese- und Mathematikfähigkeit von Schülern, der ab dem Jahr 2012 einsetzte – kurz nachdem sich das Smartphone, das ultraschnelle Internet und die Social-Media-Plattformen breit durchgesetzt hatten.“
René Pfister, „Digitales Heroin“, „SPIEGEL“ Nr. 4/16.1.2026, S. 6 (Leitartikel).

Behebung durch Erkenntnis
„Schwachheiten schaden uns nicht mehr, sobald wir sie kennen.“ (29)
Georg Christoph Lichtenberg, „Sudelbücher“, Heft D, 1773-1775.

Ablehnend zu konstatieren: Globaler Reichtum und weltweite soziale Ungleichheit sind schon erst einmal atemberaubend. Die Entwicklungsorganisation schlägt deshalb nachdrücklich vor, in der Bundesrepublik Deutschland eine zweiprozentige Vermögenssteuer für Multimillionäre einzuführen. Außerdem soll eine solche Steuer auch auf internationaler Ebene erhoben werden. Sie diene dazu, hierzulande „Investitionslücken im Bereich sozialer Gerechtigkeit“ zu schließen und die Mittel für Entwicklungsarbeit wieder zu erhöhen. Eine klare Ansage.

Dies mag ein gewichtiger Anfang sein. Die gesellschaftlichen Bedürfnisse sind gewachsen. Die erforderlichen Mittel dafür sind reichlich vorhanden.

Da helfen keine KI oder ein gewachsener Technik-Fetischismus. Im Gegenteil: Die obsessive Bindung an die irren Weiten des monopolisierten Internets verschärfen die psychischen Irritationen, die Isolation sowie die empfindliche Lernschwäche der KonsumentInnen.

Hinzu kommen die abenteuerliche Steigerung der Rüstungsausgaben, spekulative Bedrohungsszenarien sowie die kulturelle Militarisierung der Gesellschaft. Mit sozialer Demokratie oder kooperativer ziviler Kultur hat dies rein gar nichts zu tun.

Vielmehr sind noch mehr Nachdruck in der angemessenen Steuererhebung und damit in der Mittelverwendung für die adäquate öffentliche Finanzierung von Gesundheit, Bildung, Kultur und Soziales; auch für die tatsächliche Bewältigung der Klimakrise und die authentische Überwindung der globalen Kluft zwischen Nord und Süd zu erwirken und klug zu realisieren.

Astronomisch hoher Reichtum und die sozio-kulturelle Vernachlässigung der Gesellschaft schaden, eine engagierte Tendenzwende auf allen gesellschaftlichen Gebieten wirkt für die notwendige, mögliche und erfreuliche Humanisierung des menschlichen Lebens. Überhaupt: Die in diesem Sinne und Interesse geschaffene Wende bedeutet allseitige Sinnstiftung und die konsequenzenreiche Bildung mündiger und verantwortungsvoller Persönlichkeiten.

Wir haben stets die Wahl. Etwas Neues zu tun läßt mehr erkennen und schafft eine angenehmere Wirklichkeit.