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Elitäre Weltpolitik

Dagegen: Eine andere Aussicht

In München
„Die Münchener Sicherheitskonferenz firmiert kurioserweise als ›gemeinnützige GmbH‹ und als steuersparende Stiftung, wird aber von der Rüstungsindustrie, etwa von Hensoldt und Krauss-Maffei Wegmann, als eine Art Messestand genutzt. Im Beirat sitzen hohe Persönlichkeiten von Airbus, Commerzbank und Deutscher Bank, sowie besonders kluge Politiker:innen wie Kaja Kallas oder Radoslaw Sikorski. Gefördert wird die Konferenz von Großkonzernen wie Siemens, Allianz oder BMW, bezuschusst von der Bundesregierung, dem Bundespresseamt, dem Bundesverteidigungsministerium, der Bayerischen Staatsregierung und der Stadt München. Und geschützt von mehreren tausend (aus Steuergeld bezahlten) Polizisten und Soldaten, die dem Elite-Netzwerk aus Militärs, Vorstandsvorsitzenden, Ministern, Stiftungspräsidenten und Thinktank-Experten die lästigen Bürgerproteste vom Leib halten. (…) Anstatt nämlich die weltbewegenden Fragen öffentlich in den dafür zuständigen Organisationen zu verhandeln, etwa in der UNO, in der EU, in der WTO oder in der OSZE, werden sie in die Hinterzimmer von Davos oder München oder in Donald Trumps absurdes ›Board of Peace‹ verlegt, wo dann in bilateralen Geheimgesprächen Tacheles geredet werden kann.“
Wolfgang Michal, „Privatisierte Weltpolitik“, „der Freitag“, Nr. 7/12.2.2026, S. 1.

Aufrüstung
„Die Welt rüstet auf. Auf 2700 Milliarden Dollar belaufen sich die globalen Rüstungsausgaben laut Angaben der Vereinten Nationen. In vielen Teilen der Welt gibt es militärische Konflikte, oder sie drohen. (…) Das beflügelt den weltweiten Handel mit Waffen. Für die Rüstungsindustrie sind es goldene Zeiten. Die Auftragsbücher sind voll, die Aktienkurse steigen, die politische Bedeutung der Branche ist groß wie seit Jahrzehnten nicht. Davon profitieren auch deutsche Konzerne. Die vier größten deutschen Rüstungsunternehmen steigerten ihre Einnahmen aus Waffengeschäften im Jahr 2024 um 36 Prozent auf umgerechnet 14,9 Milliarden Dollar. Sie sind nicht nur als Lieferant für die Bundeswehr gefragt, sondern auch bei ausländischen Armeen.“
Nicole Gomes Rodriguez, Anna Sophie Kühne, „Viele deutsche Waffen in der Welt“, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), 15.2.2026, S. 37.

Zwischendrin
„Die Politik aber ist ein Gewerbe, wie jedes andere auch. Die modernen Staatsmänner drücken den Gesamtwillen ihres Landes nur insofern aus, als die Bürger ihren Beauftragten zwischen der speziellen Delegierung und dem Augenblick, wo der öffentliche Protest eine Regierung hinwegfegt, auf dem breiten Spielraum jede Betätigung nach dem Trägheitsgesetz erlauben.“
Kurt Tucholsky, „Zwischen zwei Kriegen“, 1925.

Bemerkenswert und beispielhaft: Trotz aller Schwierigkeiten und Einschränkungen haben in München am vergangenen Wochenende 5000 Menschen gegen die Elite-Versammlung und die weitere Militarisierung der Welt und für eine zivile Entwicklung bzw. für internationale Solidarität demonstriert.

Hier und an anderen Orten der Bundesrepublik – ja, auch in Hamburg! – zeigte sich die Basis für eine menschenwürdige, vernünftige und sinnvolle Alternative gegen die gesteigerte destruktive Profitabilität.

Denn die deutliche Zerstörung beginnt schon und zeigt sich bereits vor dem brutalen Einsatz der modernen Waffensysteme: Geistige Energien, gesellschaftliche Mittel und industrielle Kapazitäten fehlen in großem Ausmaß für die Lösung der globalen und somit regionalen Probleme. Hunger, Elend, Gewalt, Despotie und die skrupellose Umweltzerstörung benötigen in neuem Ausmaß die Mobilisierung dieser gesellschaftlichen Ressourcen, die in erweiterter Qualität zur Humanisierung der menschlichen Lebensbedingungen realisiert werden können und müssen.

Auch die Geschichtsklitterung oder -beschönigung, die Diffamierung von – teilweise erfolgreichen – Friedens- und Abrüstungsbemühungen sind schädlich für Sinn, Verstand und eine kultivierte Entwicklung der Weltgemeinschaft bis hinunter in die Alltagsbeziehungen.

Ebenfalls sind der militärische Ton, das hierarchische Prinzip von Befehl und Gehorsam, das Schnarren im Ton der Stimme schädlich für die positive Entwicklung einer sozialen Demokratie bzw. die allgemein förderliche Entfaltung ihrer engagierten Akteure.

Das Motto „Frieden schaffen mit immer mehr Waffen“ war, ist und bleibt ein grob irrtümlicher Leitspruch respektive eine dumme Suggestion.

„Der Forschung Der Lehre Der Bildung“ ist unvereinbar mit diesem brutalen Unsinn.

Aber auch alle anderen Bereiche der Gesellschaft (Gesundheit, Soziales, Kultur, öffentliche Bauten und das allgemeine Wegesystem) sind nur schlecht mit dieser Rohheit in Einklang zu bringen.

Deshalb zeigt sich auch zunehmend positiv bestimmter Widerstand in diesen Bereichen für die wirksame Aktualität menschenwürdig bestimmter Vernunft. Niemand soll leiden. Das sei gesagt und getan.